Vom Sinn der Einsamkeit
In der Internet-Community XING schrieb kürzlich ein Kontakt von mir: "Einsamkeit genießt sich am besten zu zweit...". So richtig habe ich darüber nicht gleich nachgedacht. Ganz aber hat mich dieser Spruch nicht losgelassen. Alleinsein oder Einsamkeit kenne ich nur zu gut. Es ist ein Gefühl, ein Lebensumstand, das/den man eigentlich nicht wahrhaben möchte. Was man dagegen tun kann, ist vielfältig: Sich über seine Lebensansprüche klar werden und Veränderungen herbeiführen, sich zurückziehen, sich aufzugeben... Letzteres jedenfalls kam und kommt für mich, unter den "normalen" Umständen des Leben nicht in Frage. Aber man(n) sucht durchaus auch in solchen Phasen eine Zweisamkeit. Freilich eine der besonderen, aber vielleicht gerade einfachen, Art. Mich hat es jetzt wieder zum Lesen gezogen. In meinen Kindheits- und Jugendjahren habe ich alles gelesen, was mir in die Hände kam. Ich habe jeden Groschen in Bücher investiert, die auch mein "Bild" geprägt haben. Von der Welt, vom Leben und von der Liebe. Ich habe die "alten Franzosen" ebenso gelesen wie die DDR-Gegenwartsliteratur, war (und bin) von Daniel Druskat ebenso beeindruckt, wie von der "Suche nach Gatt" und der "Zeit der Störche". Dann kam eine lange Zeit lesender Bedeutungslosigkeit, weil ich plötzlich keine Beziehung mehr zu den Themen hatte, die man heutzutage "in" nennt. Zeitungen und Internet wurden zum "literarischen Ersatz". Nun habe ich wieder zum Buch gefunden. Nicht ganz freiwillig, aber mit wachsender Begeisterung. Ich lese (wieder) Bücher, die mir nahe stehen, erfahre, wie Erwin Geschonneck seine unruhigen Jahre hatte, weiß nun, warum Inge Keller auf die Kraft ihrer Stimme vertraut, und warum Rolf Hoppe (dem Himmel sei Dank) kein "guter Faschist" geworden ist. Ich habe wieder Freude am Lesen... Das verdanke ich einer hoffentlich temporären Einsamkeit. Das Buch ist Partnerin geworden, die es auch bleiben soll. Nur eines fehlt mir: Ein Buch ersetzt weder glänzende Augen und eine warme Stimme noch die Herzlichkeit und Nähe, die das Leben und die Liebe ausmacht.

