Kirchgang ist für mich keine regelmäßige Pflicht. Mich zieht es dann in ein Gotteshaus, wenn ich Ruhe finden will. Vom Alltag und seinen Problemen, oder wenn ich ganz einfach einmal wieder über die Schönheiten der
Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern staunen möchte. Zu einem besonderen Erlebnis wurde mir kürzlich eine Predigt von Kirchenrat Martin Scriba in der Kirche von Picher im Landkreis Ludwigslust. Beeindruckend mit welcher Leichtigkeit und welchem Tiefgang, ja sogar mit welchem modernem, aktuellen Inhalt der als Regierungsbeauftragter der Evangelischen Landeskirche wirkende Scriba seine Predigt gestaltete und das Thema "Taufe" in den Mittelpunkt stellte.
Mehr noch, mangels eines Organisten begleitete er die Lieder der Andacht auf der Gitarre und hatte diese wohl bedacht ausgewählt, so dass auch musikalisch der sommerliche Morgen eine ganz besondere Note erhielt. Da musste man nicht gläubig sein, um solche Lieder wie "Danke, für diesen guten Morgen..." ehrlichen Herzens mit zu singen und seinen eigenen Gedanken und Empfindungen nachzugehen.
Ein Lied hat mich besonders bewegt: "Ich möcht', dass einer mit mir geht, der's Leben kennt, der mich versteht, der mich zu allen Zeiten kann geleiten..." Natürlich sind diese Verse mit dem Anspruch christlichen Glaubens verbunden. Wie viel Wahrheit ist in diesen Worten aber auch für das "ganz normale Leben" versenkt? Suchen wir nicht alle nach einem irdischen Begleiter für und durch das Leben? Suchen wir nicht alle Verständnis und Zuwendung, Beistand in schweren Stunden, Herzlichkeit und Nähe, Glücklichsein. Wie gut das gelingt, ist wohl auch eine Frage des Glaubens allgemein, eine Frage des Vertrauens in die eigenen Kraft und Zuversicht.
Ich habe in meinem Leben oft nach dem bekannten "Licht am Ende des Tunnels" gesucht und es durch die Zuwendung von lieben Menschen meist auch gefunden. In diesem Sinne habe ich Vertrauen in die Zukunft und den Weg, den ich noch gehen muss. Mit einer, die das Leben kennt und mich versteht... Wie hieß es doch am Sonntag in Picher so treffend in einem Lied: "Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün..." In diesem Sinne ist wohl nicht nur Sommerzeit Erntezeit.