9.8.07

Mut zur Brücke: Von Hufeisen und anderen Nasen

Wer einmal herzhaft lachen will, muss den Sachsen nicht nur auf's Maul schauen, sondern einfach mal nach Dresden fahren und sich in Sachen Brückenbau schlau machen. Nur, dass keine Missverständnisse aufkommen: Die sächsische Mundart ist das kleinere Übel in der Metropole an der Elbe und hat durchaus ihre Berechtigung und ihren Charme. Und nicht zu vergessen, erst aus dem Sächsischen stammt schließlich die "wahre deutsche Sprache". Aber das hier auszubreiten, führte zu weit.

Von Brückenbau haben die Sachsen aber offensichtlich wenig Ahnung. In welcher Richtung man darüber auch polemisieren möchte. Die sächsische Provinzposse um die geplante Elbschlösschenbrücke in Dresden jedenfalls lässt mittlerweile ganz Deutschland lachen. Erst erhitzten sich die Gemüter um das Was und Wie einer Elbquerung. Dann stritten sie um Sinn und Form einer derselben, weil die UNESCO ein Auge darauf geworfen und die Form verworfen hatte. Also musste die Demokratie und ein Bürgerentscheid her. Bei dem haben sich die Dresdner offensichtlich pro Brücke entschieden, was den Freistaat offensichtlich freute, der den Bau durchsetzen will. Dann aber ging der Streit in den Gerichtssälen weiter. Ergebnis: Die Brücke muss gebaut werden. Ist ja auch irgendwie logisch. Baubeginn sollte Mitte August sein.

Abseits aller Diskussion über Sinn und Unsinn der Form einer Brücke über die Elbe haben einige pfiffigen Sachsen nun in allerletzter Minute noch einen (vorläufigen) Rettungsanker für den Stopp der Brücke gefunden. Herhalten musste dafür die kleine Hufeisennase. Nein, das ist kein besoffener Sachse, sondern eine seltene Fledermausart. Zu deren Schutz darf, so die Dresdner Verwaltungsrichter, "de Brügge" erst einmal nicht gebaut werden.

Wetten, dass die trotzdem kommt?! Egal, ob mit oder ohne Bogen und in welcher Form auch immer. Außerdem wird es sein wie immer: Die Zeche wird er Steuerzahler begleichen. Auf die paar Millionen Euro Prozesskosten kommt es doch wohl in deutschen Landen nicht an. Die Liste der prominenten Beispiele von Dresden bis Schwerin (vergleichbares Beispiel: A 14) ist lang. Ich würde jetzt zur Sicherheit noch dafür plädieren, den Bürgerentscheid einmal unter die Lupe zu nehmen und festzustellen, wie viel daran beteiligte Bürger tatsächlich aus Dresden stammen und nicht aus Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Aber die würde ich eher zu den Brückengegnern zählen. Trotzdem könnte man damit vielleicht sogar den souveränen Bürgerentscheid noch noch ad absurdum führen. Das wäre eine Gaudi ganz nach sächsischer Art. Ist aber auch nicht richtig, denn das Wort Gaudi kommt aus ganz anderen Landen...

Fazit: Die Sachsen an der Elbe bei Dresden werden noch manchen Strauß ausfechten, um Tintorettos Blick auf Dresden zu bewahren. Ich befürchte nur, sie kneifen sich damit, Verzeihung, selbst in den "Arsch" und verschlafen im einstigen "Tal der Ahnungslosen" den Zug der Zeit. Wenn dann mal wieder einer vom Schlage Friedrich August III. kommt und meint: "Macht doch eiern Dregg alleene", müssen sie sich nicht wundern und können wegen Staus am "Blauen Wunder" über die Elbe schwimmen um auszuwandern. Muss ja kein König sein, der das sagt. Aber die heißen heute bekanntlich Investoren...