Bleibe im Land und nähre dich redlich
Ich denke heute noch oft daran, dass ich in meiner Kindheit und Jugend Tage oft und gern bei meinen Großeltern war. Meine Großmutter Martha war eine lebensfrohe und feinsinnige Frau, die mir den Blick für das literarisch-sinnliche schärfte. Mein Großvater Max Lukas war ein eher introvertierter Mann mit einer ganz besonderen Gabe für das Verstehen ohne viele Worte. So erinnere ich mich, dass meine Großmutter beim Kochen besonders sorgfältig mit jedem Gramm "guter Butter" umging, wie sie das nannte. Ich glaube, das und andere Kleinigkeiten haben mein ausgeprägtes Gefühl für kulinarische Bodenständigkeit geprägt.Ich erlebe heute oft ebenso Ungläubigkeit wie Unverständnis, wenn ich im Haushalt ziemlich streng darauf bedacht bin, dass möglichst alles aus der Region kommt, womit man(n) kocht und was auf den Tisch kommt. Ich meine, dafür gibt es gute Gründe. Man stärkt die (Land-) Wirtschaft einer Region und man entwickelt ein Gefühl von Heimat, das einem buchstäbliche auf der Zunge zergeht. Und es dient natürlich auch der Umwelt, wenn die Butter nicht erst aus Irland eingeflogen, die Schweine vom Saarland nach Mecklenburg oder die Hühner von eben dort nach Bayern gekarrt werden.
Mir schmeckt in diesem Sinne immer das vorzüglich, was eine Region im besten Sinne des Wortes zu bieten hat. Ich esse also etwa in Italien bevorzugt Pasta, in Österreich Knödel in tausend Variationen, in Ungarn feuriges Gulasch und in Masuren, wo ich besonders gern hinfahre, traditionelle ländlich-rustikale Küche und Nationalgerichte wie Bigos.
Auch die Frage nach dem Wie ist schnell beantwortet, wenn ich mir solche internationale Gerichte in der eigenen Küche zubereiten will. Dann kaufe ich beim Händler um die Ecke Teigwaren aus Waren ein, suche mir zielgerichtet Sahna zum Braten und Hansano-Butter zum Verfeinern aus, schaue darauf, wo der Schinken herkommt und überlege, ob ein trockener Wein von der Saale-Unstrut oder dem Lößnitzgrund besser zu meinem Wunschgericht passt.
Und die Kartoffeln stammen wie selbstverständlich von "Bur Hann", das Gemüse vom Wochenmarkt gleich vor der Haustür und das Fleisch von den Ludwigsluster Fleischwaren, die von den Landwirten der Region beliefert werden. Wenn es das an einer Stelle einmal nicht gibt, gönne ich mir den zeitlichen Luxus, es anderswo zu erweben. Selbst wenn die Klöße einmal besonders schnell gehen müssen, sind in Hagenow veredelte Kartoffelprodukte erste Wahl.
Was uns das alles sagt? Ganz einfach: Ich bleibe im Land und nähre mich redlich. Und anderswo denke ich eben, dass ich auch dort zumindest zeitlich begrenzt zu Hause bin...


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