8.4.07

Ostern 2007: Auferstehung, Vertrauen, Ankommen...

Ich mag halbleere Kirchen. Nicht, dass man mich missversteht, ich gönne der Kirche viele Besucher. Aber nur mäßig gefüllte Kirchen vermitteln mir, abseits allem vordergründigen Zur-Schau-Stellen, ein Gefühl von Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Diejenigen, die ich dann in der Kirche antreffe, leben wohl ihren Glauben am ernsthaftesten oder suchen die Ruhe der Kirche, um in dieser besonderen Umgebung Gedanken zu ordnen und Kraft zu sammeln. So auch ich an Ostern 2007.


1952 geboren und getauft, nie konfirmiert und eher atheistisch aufgewachsen und gelebt, habe ich mir die Welt der Kirche seit vielen Jahren in einer ganz eigenen Weise erschlossen. Nicht zuletzt deshalb habe ich auch vor zwei Jahren einen wundervollen Auftrag für ein Kirchen-Portal angenommen. Wenn ich mutlos war, (m)einen Weg suchte, weinen wollte - immer dann habe ich diesen Gang getan. Meist in einer ganz stillen Ecke. Nur für mich allein. So auch an Ostern 2007 in einer kleinen Kirche in der Griesen Gegend.

Auferstehung verbinde ich deshalb mit dem Gedanken, Auswege aus der Rast- und Ruhelosigkeit des Alltags zu finden. Zu bestimmen, was einem wichtig ist und wo die Reise im besten Sinne des Wortes hingehen soll in der nächsten Zeit. Und (Gott-)Vertrauen mache ich deshalb in der Gewissheit fest, dass das Vertrauen an sich selbst mehr bewirkt als das Warten auf Hilfe in welchen Situationen auch immer. So auch und gerade an Ostern 2007.

Im Anschluss an den Kirchgang habe ich dann den Weg zum Grab meines besten Freundes gesucht und gefunden. Ich habe, fast unhörbar, mit ihm geredet, von der Einsicht in meine Fehlbarkeit und meinen Wünschen erzählt und ihn um Rat gefragt. Und in Gedanken sah ich ihn mit seinen großen, tiefen und warmherzigen Augen. Ich wähnte, er würde mir wie immer zuzwinkern und ebenso leise sagen, dass ich mir mein Vertrauen und meine Wünsche bewahren soll. Ich habe dabei den letzten Händedruck gespürt, der mir an seinem Sarg vergönnt war.

Ich danke dir, lieber Vater Kurt Nadolny. Deine unausgesprochenen Worte haben mir Kraft gegeben, mit den Narben auf meiner Seele umzugehen und den Mut zurück gegeben, wieder Weinen zuzulassen. Das wird auch über Ostern 2007 hinaus Bestand haben.