Flagge zeigen: Sport als Spiegelbild der Gesellschaft
Das Sommerloch kann kommen. Themen gibt's in Hülle und Fülle. Schließlich hat Deutschland ja sein neues Nationalgefühl entdeckt. Erst wollte keiner auf den Super-Klinsi hören und nun liegen ihm alle zu Füßen. Und das trotz eines vorzeitigen Ausscheidens bei der Super-WM in deutschen Landen. Nun wissen wir alle, was uns so lange Zeit gefehlt hat: der Stolz, Deutscher zu sein. Mehr noch, wir können es jetzt sogar wieder sagen und zeigen. Hoch die Flagge, getreu dem Motto: vom Fußball lernen, heißt siegen lernen. Politiker und solche, die es sein oder werden wollen, lassen sich gerade in diesen Tagen mehr oder weniger dümmlich mit der deutschen Fahne ablichten. Man weiß ja nie, wozu es gut ist. Super-Angela und Super-Horst jedenfalls verkünden unisono, dass man vom deutschen Fußball lernen kann, eine patriotische Einstellung zu entwickeln. Vor allem, was den Mut zur Reformfreude betrifft. Vielleicht meinen sie ja auch nur, den Mut zum Abnicken und Erdulden der Reformen. Nicht wissend, ob es wirklich Reformen sind. Ist aber egal, wir haben ein Super-Team "da oben" und die werden es wie Klinsi schon "richten". Das Grinsen haben sie ja schon vom ihm gelernt.
Nur dass keine Irrtümer aufkommen: Deutschland ist natürlich ein wundervolles Land mit unverwechselbarer Natur und reicher, wenn auch im Detail sehr widerspruchsvoller Geschichte. Ich liebe dieses Land und versuche es immer neu zu entdecken. Dass ich das aber nicht mit der Fahne in der Hand tue, liegt trotz passabler und eigentlich unerwarteter deutscher Fußballleistung ein wenig an der Super-WM und sehr viel am Super-Team "da oben".

