Durch die Bluhme gesagt...
Ines Balcik ist für flotte Sprüche und gnadenlose Kritik in Sachen Rechtschreibung* bekannt. Nun hat sie herausgefunden, dass die Schreibung von "Konferenz" anscheinend nicht allen klar ist. Ihre erschreckende Statistik: Branchenführer Google findet im Internet immer 12.400 Mal die falsche Schreibweise "Konferrenz". Und sie urteilt ungewöhnlich sehr milde, dass Schreibfehler immerhin menschlich sind. Es stünden dem schließlich beruhigende 15.600.000 Fundstellen für die richtige Schreibweise gegenüber.
Abgesehen davon, dass die Trefferquote in Sachen "Konferrenz" nach nur wenigen Tagen schon bei 12.800 : 24.300.000 liegt, hat die Klartext sprechende, manchmal auch etwas übertreibende Kollegin natürlich Recht. Im Eifer des virtuellen Gefechts kommen schon einmal Tippfehler vor, die man nicht mit (Recht-) Schreibfehlern gleichsetzen kann. Da ist eben einfach einmal der virtuelle Zeigefinger verrutscht, oder er hat gleich zweimal auf ein "r" gedrückt.
Viel mehr stören mich die Internet-Angebote, denen man sprachliche und gestalterische Liederlichkeit und Oberflächlichkeit auf den ersten Blick ansieht. Wenn beispielsweise in einem Online-Magazin, das sich dem Anspruch als Profi-Portal für Journalisten stellt, massenweise solche Tippfehler zu finden sind, dann ist das eine virtuelle Bankrotterklärung. Da wird nicht nur eine Einstellung zur Arbeit dokumentiert, sondern auch der Leser beleidigt. In solchen Fällen wird mehr als deutlich, dass es nur um Quote und Profit geht. Der dumme Leser ist eher Nebensache und allenfalls Verkaufs-Argument. Mögen immer mehr Käufer erkennen, welcher virtuellen Rosstäuscherei sie da aufsitzen.
Mir fällt in diesem Zusammenhang eine filmische Episode aus meiner frühen Jugend ein. In dem außerordentlich beeindruckenden DEFA-Film "Die besten Jahre" (1965 - u.a. mit Horst Drinda, Lissy Tempelhof und dem unvergessenen Hans Hardt-Hardtloff) geht es um die Entwicklung des Bildungswesen in der SBZ und der späteren DDR. Da wurde ein so genannter Neulehrer von einem Oberschlauen gerügt, dass Blume schließlich nicht mit "h" geschrieben wird. Der darauf angesprochene Schulrat entgegnete dem sinngemäß kurz und bündig: "So lange wir nicht ausreichend ausgebildete Lehrer haben, wird eben Blume mit h geschrieben."
Was das mit dem hier genannten Beispiel schreibtechnischer Liederlichkeit zu tun hat? Ganz einfach: An der Art und Weise mancher Angebote sieht man die Unehrlichkeit des vordergründig und zweifelhaft professionellen Ansinnens tausendmal. Da ist mir ein ehrlicher Fehler auf der Homepage eines Teenies viel lieber. Und sei es, dass Blume mit h geschrieben wird.
Und zu guter Letzt: eine beredte Einstellung zur Arbeit zeigt sich auch, wenn jemand, der professionell mit Texten zu tun hat, die neue Rechtschreibung verdammt und mit rüden Worten ächtet. Egal, wie man zu dem umstrittenen Reformwerk steht, Blume wird dort jedenfalls richtig geschrieben. Und vieles andere mehr auch.
* Anmerkung: Wer in diesem Kommentar einen Fehler findet, kann mir diesen gern mitteilen. Ich versichere, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben habe ;-)

