15.2.06

Volltreffer: modernes Schiffe versenken

Es geschehen offensichtlich noch Zeichen und Wunder. Endlich ist sie da, die Internet-Maschine, die virtuellen Müll mit Gülle übergießt oder Bomben auf solchen abfeuert. Einziger Wermutstropfen: sie bekämpft den Internet-Müll nicht wirklich.

So haben es Tag-Träumer, die den blauen Mond anbeten, stundenlang auf einen leeren Bildschirm starren, ihre Hausaufgaben so schlecht wie möglich machen und dem Achterbahnchauffeur einen Euro-Heiermann geben, damit er ihr Ego wieder in Schwung bringt, um so leichter, Netzwerkverbindungen zu knüpfen. Zudem entblöden sie sich nicht einmal, die Kommentare für ihre "Gesetzbücher" mit dem IQ einer Paris Hilton "zu bestellen" und sich darüber zu wundern, dass Lampen auch mit Birnen nicht funktionieren, oder nichts Sinnvolles tun können, weil sie ihr Kochbuch nicht finden. Ganz zu schweigen von denen, die ihre Existenz mit virtueller Zensur verbinden und eigentlich nichts mehr als blauen Dunst produzieren.

12.2.06

Erhöht den Netzwerkgedanken: Abnicken

Was ich schon immer mal sagen wollte: Mir sind Politiker und andere Leute mehr als suspekt, die sich nur den Worten ihrer Vorredner anschließen, bei denen sie ohnehin pausenlos genickt haben. Das mag ja ganz schön sein. Aber ein eigene Meinung zu Einzelfragen, wenn auch im Detail abweichend, ist mir immer lieber als heiße Luft, um Aufmerksamkeit zu erhaschen, äh - den Netzwerkgedanken zu vertiefen.

11.2.06

Wortspiele: Da Sammer wieder!

Sinnige Zitate von Fußballern gibt's jede Menge. Über manche davon kann man sogar lachen. Bundestrainer Jürgen Klinsmann wird übrigens das Zitat zugeschrieben: "...Der Rizitelli und ich sind schon ein tolles Trio, ....äh Quartett." Damit hat man dem kalifornischen Schwaben wohl bitter Unrecht getan. Denn das Zitat dürfte von Fritz Walter jr. stammen, der in eben dieser Weise von seinem Zusammenspiel mit Klinsmann geschwärmt hat. Aber zumindest ähnlich dürfte Klinsmann gedacht haben, als er mit Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters ein Trio, äh Quartett, bilden wollte. Dass es dazu nicht gekommen ist, schieben nun alle auf den rotblonden Heißsporn Matthias Sammer, der kürzlich zum neuen DFB-Sportdirektor berufen wurde. Meiner Meinung nach ein Glücksfall für den deutschen Fußball.

Glück hin, Glück her - die Probleme sind jedoch mit dem verordneten Zusammenspiel von Klinsmann und Sammer vorprogrammiert. Globetrotter Klinsmann wähnt sich als der Glücksbringer der Nation und träumt unter der kalifornischen Sonne ganz bestimmt schon von einem Schluck aus dem Weltmeister-Kelch des Jahres 2006. Seine Art ist derart selbstbewusst, dass man schon deswegen skeptisch sein muss. Sein Experimentierdrang von Torwart-Rotation, über den Einsatz von Mental- und Fitnesstrainern bis hin zu seiner Vision, Hockey-Manieren in den deutschen Spitzenfußball zu transformieren, ist zumindest schon einmal weltmeisterlich.
Und nun wird dem smarten Jürgen doch tatsächlich der Sammer vor die Nase bzw. zur Seite gestellt. Das sind, sagte Klinsmann einmal in einem anderen Zusammenhang, "Gefühle, wo man schwer beschreiben kann".

Recht hat er. Es ist eine der wenigen sinnvollen DFB-Entscheidungen der letzten Zeit, den gestandenen Fußballer und Trainer Sammer in diese Funktion zu berufen, in der er ganz sicher im deutschen Fußball neue Akzente setzen und neue Impulse geben wird. Sammer ist ein akribischer Arbeiter und auch ein eigenwilliger, fast besessener Trainer, der ganz in seiner Arbeit aufgeht. Solche Typen braucht das Land. Und seine Visionen von Fußball ebenfalls. Meine ich. Dementsprechend auch weitestgehend unisono die Meinungen von Fußballerexperten aller Couleur. Dass einige ob dieser Entscheidung auch motzen, wird Sammer nicht beeindrucken. Der will im Übrigen auf Klinsmann zugehen und von Mann zu Mann mit ihm reden.

Der Bundestrainer aber motzt bislang nur aus seiner Schmollecke und redet vom zerstörten Konzept, dass er mit Sammer nicht umsetzen könne. Wenn es nicht zu viel verlangt ist, würde es dem DFB auch noch einmal gut zu Gesicht stehen, hier schnell ein Machtwort zu sprechen und Klinsmann die Leviten zu lesen. Fußball ist keine Sache der verletzten Eitelkeiten. Fußball lebt von hochklassigen Spielen und tollen Toren. Von der letzten Dorf-Liga bis zur Nationalmannschaft.

Aber vielleicht wird ja die ganze Sache auch nur "von der Medien hochsterilisiert" (Bruno Labbadia). Es gilt also, den Blick nach vorn zu richten, denn "man darf schließlich nicht alles so schlecht reden, wie es war" (Fredi Bobic). Zu hoffen ist allerdings, dass das Männergespräch zwischen Bundestrainer und Sportdirektor nicht so ausgeht, wie es weiland Loddar Matthäus beschrieben hat: "Ein Wort gab das andere - wir hatten uns nichts zu sagen."

9.2.06

Blogosphärisches Geplänkel

Die Diskussion hält an und die Fragen sind immer die gleichen: Sind Blogger die besseren Journalisten? Sind Blogger überhaupt Journalisten? Sind Journalisten die besseren Blogger? Meine kurz und bündige Antwort: Alles und nichts trifft zu. Denn man kann zu allen Argumenten gar trefflich Paroli bieten. Zugegebenermaßen nur dann erfolgreich, wenn man ein wenig die Gabe hat, seine Ansichten auch in überzeugende Worte zu fassen. Da geht es dem Blogger nicht anders als dem Journalisten, der bloggt.

Thomas Leif vom Netzwerk Recherche sieht in Bloggern oftmals selbstverliebte Egozentriker, die ihren Mitteilungsdrang befriedigen wollen. Und er unterstellt, dass den meisten Bloggern jegliches journalistisches Handwerkszeug fehlt. Blogger Gerhard Schoolmann kontert, dass es auch unter den Journalisten ein paar selbstverliebte Egozentriker gibt, ohne von denen auf "den Journalisten" schließen zu wollen. Thomas Gigold dagegen will kein objektives, trockenes Weblog mit journalistischem Maßstab. Weblogs sollen für ihn subjektiv und dumm sein, was seiner Meinung nach nicht ausschließt, dass sie gut, unterhaltsam und letztlich informativ sind. Zu guter Letzt kommt noch Roland Grün und meint, dass das blogosphärische Geplänkel eine Strategie sei, die davon ablenken will, dass Blogs relevant sind, auch wenn sie kein Journalismus sind.

Was sagt uns das? Siehe oben: Alles und gar nichts. Für mich ist Bloggen schlicht und einfach ein virtuelles Gedankenspiel, ohne dabei vordergründig einen journalistischen Anspruch zu setzen. Soll auch heißen: Wenn ein Blogger seine Erfahrungen, Gedanken und virtuellen Entdeckungen gut rüber bringt, dann freut mich das, weil ich neue Anregungen und neues Wissen erhalte. Und wenn ein Blogger virtuelle Nabelschau betreibt, dann habe ich dafür nicht mehr als ein müdes Lächeln übrig und bin versucht, mir mit dem Zeigefinger an die Stirn zu tippen.

Suspekt sind mir dagegen Blogger, die mit ihren "Ergüssen", meist noch nach zwölf Uhr nachts und offenbar weinselig umnebelt, nur auf eine bestimmte lesende Klientel abzielen, die dann auch prompt Beifall haschend und lobend einspringt. Das ist bestellte Lobhudelei und Egozentrik der negativen Extra-Klasse. Zu lesen in allen möglichen internetten Ecken. Ob solche Schreiber dann bloggende Otto-Normalverbraucher oder Journalisten sind, macht für mich keinen Unterschied. Kann natürlich auch sein, dass eben die auch nur von der Welt missverstanden werden, weil sie schließlich erfahrene Netzwerker sind, die mit Blogs auch (Selbst-)Marketing betreiben. Und davon versteht der "gemeine Blogger" eben nichts ;-)

Fazit: Drum schreibe, wem ein PC gegeben. Gut ist, was gefällt. Aber was gefällt, muss trotzdem noch längst nicht gut sein. Es kommt nämlich auf den Anspruch an, den man sich im und für das Leben stellt.

8.2.06

...nur mit der Sprache hapert's!

Ein doppeldeutiges Wortspiel endet mit den Worten: "...nur mit der Sprache hapert's." Über dessen vollständigen Text muss man nicht unbedingt amüsiert sein. Das kommt ganz auf den Standpunkt und die Situation an. Vielmehr zu denken gibt mir aber der tatsächliche Umgang mit (der) Sprache. Nicht immer trifft das, was man letztlich ausspricht oder niederschreibt, unbedingt den Kern dessen, was man tatsächlich sagen will. Deutsche Sprache, schwere Sprache? Ich meine einmal mehr: nein! Und begrüße eine Initiative der Stiftung Deutsche Sprache, die ich auf Hinweis von Ines Balcik auf ib-klartext.de gefunden habe.

Die Stiftung versteht nach eigenem Bekunden die deutsche Sprache als ein Kulturgut von höchstem Wert. Und sie hat jetzt eine Aktion "Lebendiges Deutsch" gestartet, die sich dem denglischen Alltagswortschatz widmet und nach Alternativen sucht, "welche griffigen und treffenden deutschen Wörter an die Stelle englischer Wörter treten können, wenn die überflüssig, hässlich oder nicht allgemein verständlich sind." So gibt es ab sofort die "drei Wörter des Monats", zu denen Leser aufgefordert werden, Vorschläge einzureichen, die einen deutschsprachigen Sinn ergeben. Das hat, betonen die Initiatoren, nichts mir sprachlichem Purismus, Fremdwort-Jägerei oder sprachlicher Bilderstürmerei zu tun. Recht haben sie, meine ich. Mitmachen sollte sich also lohnen. Für sich selbst und die deutsche Sprache auch. Schließlich und endlich hat Sprache aber auch etwas mit Ansprache zu tun. Wer etwa in einem Blog Besucher "anmacht", sie würden eines auf die Ohren bekommen, wenn sie noch einmal das Wort "Spätherbst" in den (virtuellen) Mund nehmen, kann sich wohl nicht wirklich als Sprachwahrer bezeichnen. Oder doch?