Wie wird nun (K)Grass geschrieben?
Angesichts des Aufschreiens nicht nur in deutschen Landen über die Offenbarung von Nobelpreisträger Günter Grass, kurz vor Kriegsende Angehöriger der Waffen-SS gewesen zu sein, werfen viele die Frage auf, ob sich Grass künftig nicht besser in Krass umbenennen sollte.
Man kann (leider, oder dem Himmel sei Dank) einem Menschen nicht in sein Gehirn schauen und darin lesen. Also wird es auch im Bereich der Spekulationen bleiben, welche Beweggründe Grass tatsächlich zu seinem späten Outing, wie man heute so schlecht neudeutsch sagt, bewegt haben. Sagen kann er und können die anderen viel. Nur er selbst weiß es und muss mit seinem diesbezüglichen moralischen Anspruch fertig werden, den er sonst allgemein so hoch ansetzt. Ich stimme nicht mit denen überein, die Grass jetzt verteufeln. Und ich stimme nicht mit denen überein, die Grass jetzt in Verbindung mit gescholtenen DDR-Bürgern in Verbindung bringen, die ihre Irrungen oder Lebenslügen verarbeiten müssen. Erst recht nicht zweifle ich an Grass` Fähigkeit als großer Erzähler. Dass man schwach sein kann, wenn es um die Wahrheit geht, wissen wir wohl alle. Wenn man aber so stark ist, den Nobelpreis entgegen zu nehmen, dann muss man sich hinsichtlich seines Schwachseins auch geharnischte Kritik gefallen lassen. Denn auch Grass wusste und weiß, dass er diesen Preis nie erhalten hätte, wäre das alles zum Zeitpunkt der Preisverleihung bekannt gewesen. In diesem Sinne hat sein Nobelpreis einen Schatten, den er nie wieder aufpolieren kann.


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