11.2.06

Wortspiele: Da Sammer wieder!

Sinnige Zitate von Fußballern gibt's jede Menge. Über manche davon kann man sogar lachen. Bundestrainer Jürgen Klinsmann wird übrigens das Zitat zugeschrieben: "...Der Rizitelli und ich sind schon ein tolles Trio, ....äh Quartett." Damit hat man dem kalifornischen Schwaben wohl bitter Unrecht getan. Denn das Zitat dürfte von Fritz Walter jr. stammen, der in eben dieser Weise von seinem Zusammenspiel mit Klinsmann geschwärmt hat. Aber zumindest ähnlich dürfte Klinsmann gedacht haben, als er mit Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters ein Trio, äh Quartett, bilden wollte. Dass es dazu nicht gekommen ist, schieben nun alle auf den rotblonden Heißsporn Matthias Sammer, der kürzlich zum neuen DFB-Sportdirektor berufen wurde. Meiner Meinung nach ein Glücksfall für den deutschen Fußball.

Glück hin, Glück her - die Probleme sind jedoch mit dem verordneten Zusammenspiel von Klinsmann und Sammer vorprogrammiert. Globetrotter Klinsmann wähnt sich als der Glücksbringer der Nation und träumt unter der kalifornischen Sonne ganz bestimmt schon von einem Schluck aus dem Weltmeister-Kelch des Jahres 2006. Seine Art ist derart selbstbewusst, dass man schon deswegen skeptisch sein muss. Sein Experimentierdrang von Torwart-Rotation, über den Einsatz von Mental- und Fitnesstrainern bis hin zu seiner Vision, Hockey-Manieren in den deutschen Spitzenfußball zu transformieren, ist zumindest schon einmal weltmeisterlich.
Und nun wird dem smarten Jürgen doch tatsächlich der Sammer vor die Nase bzw. zur Seite gestellt. Das sind, sagte Klinsmann einmal in einem anderen Zusammenhang, "Gefühle, wo man schwer beschreiben kann".

Recht hat er. Es ist eine der wenigen sinnvollen DFB-Entscheidungen der letzten Zeit, den gestandenen Fußballer und Trainer Sammer in diese Funktion zu berufen, in der er ganz sicher im deutschen Fußball neue Akzente setzen und neue Impulse geben wird. Sammer ist ein akribischer Arbeiter und auch ein eigenwilliger, fast besessener Trainer, der ganz in seiner Arbeit aufgeht. Solche Typen braucht das Land. Und seine Visionen von Fußball ebenfalls. Meine ich. Dementsprechend auch weitestgehend unisono die Meinungen von Fußballerexperten aller Couleur. Dass einige ob dieser Entscheidung auch motzen, wird Sammer nicht beeindrucken. Der will im Übrigen auf Klinsmann zugehen und von Mann zu Mann mit ihm reden.

Der Bundestrainer aber motzt bislang nur aus seiner Schmollecke und redet vom zerstörten Konzept, dass er mit Sammer nicht umsetzen könne. Wenn es nicht zu viel verlangt ist, würde es dem DFB auch noch einmal gut zu Gesicht stehen, hier schnell ein Machtwort zu sprechen und Klinsmann die Leviten zu lesen. Fußball ist keine Sache der verletzten Eitelkeiten. Fußball lebt von hochklassigen Spielen und tollen Toren. Von der letzten Dorf-Liga bis zur Nationalmannschaft.

Aber vielleicht wird ja die ganze Sache auch nur "von der Medien hochsterilisiert" (Bruno Labbadia). Es gilt also, den Blick nach vorn zu richten, denn "man darf schließlich nicht alles so schlecht reden, wie es war" (Fredi Bobic). Zu hoffen ist allerdings, dass das Männergespräch zwischen Bundestrainer und Sportdirektor nicht so ausgeht, wie es weiland Loddar Matthäus beschrieben hat: "Ein Wort gab das andere - wir hatten uns nichts zu sagen."