8.1.06

Kandidatenkür 2005: Unwort des Jahres gesucht

Gerade kam es in den sonntäglichen Nachrichten: das Rennen um das Unwort des Jahres geht in seine entscheidende Runde. Ich bin mir sicher, dass die Sprachkritiker für das Jahr 2005 wieder ein treffendes Unwort finden werden. Die Östereicher haben es bereits vorgemacht. Sie hoben die "Negativzuwanderung" auf den ersten Platz, die sich knapp vor dem "Voting" behaupten konnte. Aus gut informierten deutschen Kreisen ist zu erfahren, dass "Schwampel", "Gammelfleisch" oder gar "Ehrenmord" gute Chancen haben, auf die unrühmlichen Siegertreppchen des Jahres 2005 zu kommen.

Nun ja, man kann trefflich über Sinn und Unsinn solcher Aktionen streiten. Was mich dabei immer nachdenklich macht, sind weniger die oft sinn- und/oder ehrlosen Wortgebilde. Viel mehr sind es die Menschen, die sich zu solchen sprachlichen Konstruktionen aufschwingen. Ich hinterfrage dann sowohl deren Sprachverständnis als auch deren Geisteshaltung insgesamt. Das ist im Beruflichen nicht anders. Da schwirren täglich die fragwürdigsten sprachlichen Gebilde durch die Medien. Angefangen von der täglichen Zeitungslektüre über die Moderation im Radio bis hin zu diversen Fundstellen im Internet. Meine persönlichen Unwort-Favoriten sind deshalb "Renommee-System" und "Einwortposting". Dagegen ist beispielsweise der "Listling" als Teilnehmer an diversen E-Mail-Listen eine nahezu schöne und amüsante Sprachschöpfung, die sich im Internet etabliert hat.

Mein Fazit: angesichts aller Worte, Unworte und Sprüche des Jahres werde ich mein Bemühen um eine gewissen Sprachkultur aufrecht erhalten. Trotz alledem. Oder gerade deswegen.