27.11.05

Winterzeit: Stimmungstief oder Depression?

Überall liegt Schnee in Deutschland. Aber Winter haben wir noch längst nicht. Höchstens Spätherbst. Trotzdem soll ja die kalte Jahreszeit gelegentlich auf das Gemüt schlagen und sogar Depressionen hervorrufen.

Da kommt eine Meldung der Techniker-Krankenkasse gerade recht. Die bietet, höchst offiziell für die WHO entwickelt, einen Selbsttest für's Wohlbefinden an, im Rahmen dessen man erste Anzeichen für das mögliche Vorliegen einer seelischen Erkrankung oder depressiven Verstimmung erkennen kann. Ich hab' es ausprobiert: alles im grünen Bereich - nix mit Winter-Depri.


Wie man aus den Antworten zu solchen Schlüssen kommen kann, das wissen die Experten der TK besser. Allerdings habe ich im Rahmen meiner internetten Ausflüge schon manchmal den Eindruck, dass die Jahreszeit das Wohlbefinden beeinflusst. Da stehen Dinge, für die es bei allem Wohlwollen noch nicht einmal einen treffenden Smiley gibt. Meine Meinung: Stimmung ist auch eine Frage der Einstellung. Das Glas kann eben halb voll oder halb leer sein. Demzufolge kann auch ein Spaziergang durch einen nebligen, nasskalten Wintermorgen seine Reize und anregenden Seiten haben. Das ist Natur, Leute, und die beschwören wir doch so oft...

25.11.05

Medienkanzler: na und?

Er ist der Medienkanzler schlechthin. Kein anderer hat seine Selbstdarstellung so gekonnt inszeniert und durchgezogen wie Gerhard Schröder. Effektvoller Schlusspunkt: der Große Zapfenstreich und die verdrückte Träne beim Klang von "My way". Ganz ehrlich, kann man ihm diese Träne verdenken? Er hat, bei aller Kritik um "Was" und "Wie", seinen Weg gewählt und diesen, zugegeben oft sehr widersprüchlich und selbstherrlich, mit Konsequenz beschritten. Das hat ihm, im Detail zu Recht, viel Medienschelte eingebracht. Und nun geifern manche Medien darüber, dass ausgerechnet der Medienkanzler ins Mediengeschäft einsteigt...

Man(n) ist geneigt, zu sagen: "Na und?" Wenn er seinen Job gut macht und dem Arbeitgeber in der Schweiz gute Geschäfte einbringt. Dass er einen interessanten Job dem Dasein eines Polit-Pensionärs vorzieht, ein schönes Arbeitszimmer im Ringier-Haus und ein gut dotiertes Salär bekommt, kann man ihm doch nicht ernsthaft vorwerfen. Es wird allerdings wieder auf das "Was" und "Wie" ankommen. Daran wird man ihn auch künftig messen müssen. Seine politischen Visionen und sein politisches Agieren zu begleiten und ggf. zu kritisieren, war und ist in Ordnung. Und das ist auch Medien-Auftrag. Meine ich. Seine Lebensplanung geht aber nur ihn etwas an. Und es gibt auch noch einen Satz von Konrad Adenauer, der lautet: "Nehmt die Menschen wie sie sind, andere gibt es nicht."

23.11.05

Klare Worte zur Zukunft des Journalismus

Vor einiger Zeit habe ich an einer Online-Befragung teilgenommen, die vom Lehrstuhl Journalistik der Universität Leipzig durchgeführt wurde. Befragt wurden deutsche Journalisten über ihren Beruf und dessen Zukunftsaussichten. Die jetzt vorliegenden ersten Ergebnisse sind wenig erbaulich. Man bedenke, hier haben Journalisten selbst einen Blick auf ihre Zukunft geworfen. So sagt die erste Auswertung aus, dass die Aufgabe der Journalisten, Kritik und Kontrolle zu üben, an Bedeutung verliert.

Dominieren wird nach Ansicht der Journalisten eine Rundum-Orientierung sowie Lebenshilfe und Nutzwert zu geben. Ein "schleichender" Funktionswandel des Journalismus verändere, meinen Forscher und Journalisten unisono, verändere das Berufsbild nachhaltig. Es läuft also in Richtung eierlegende Wollmilchsau hinaus. In Zukunft werden/müssen Journalisten Alleskönner sein. Ich schließe mich diesen durchaus nicht rosigen Prognosen insofern an, dass man heutzutage vor allem als freier Journalist schon sehr vielseitig, ideenreich und schnell sein muss, um bestehen zu können. Trotzdem bleibt es meine Meinung, dass es bei aller notwendigen Vielseitigkeit eine Frage der Kraft sein wird, wie sehr ein Journalist bereit ist, sich verbiegen zu lassen. Soll auch heißen, man muss nicht unbedingt mit den Wölfen heulen, nur, weil die noch ein Schaf zu essen haben.

Zu den (ersten) Ergebnissen der Auswertung der Online-Befragung geht es hier...

20.11.05

Richtig: Wissen schafft Vertrauen

Ein Sprichwort ist längst zum alten Hut geworden: "Wissen ist Macht - nichts wissen, macht nichts". Daran musste ich denken, als ich auf einen sehr interessanten Beitrag bei medien-news gestoßen bin. Darin schreibt Sabina Abdel-Kader aus Wien zu den vielfältigen Möglichkeiten effizienter Medienarbeit im Internet. Und sie schlussfolgert ganz logisch: Fachkenntnis schafft beim Leser Vertrauen und erweckt das Interesse einer breiten Öffentlichkeit.

Das Internet jedenfalls bietet auch aus meiner Erfahrung eine Vielfalt der Möglichkeiten, seine eigene Arbeit bekannt zu machen, neue Gesprächs- und neue Geschäftspartner zu finden. Wer seine eigene Arbeit in online veröffentlichen Beiträgen bereit stellt, betreibt beileibe keine peinliche öffentliche Nabelschau. Im Gegenteil, er leistet intelligente (fast kostenlose) Öffentlichkeitsarbeit und kann sich so im besten Sinne des Wortes empfehlen. Jedenfalls besser als mit noch so raffiniert aufgemachten Weblogs, in denen über den Vollmond und des Nachbars Hund philosophiert. Obwohl auch das, gut aufgemacht, seine Reize haben kann, sind solche Dinge in den meisten Fällen peinliche, vordergründige virtuelle Nabelschau. Das ist nicht mein Ding.

19.11.05

Wann erreicht ein Interview den Leser?

Heute habe ich in unserer regionalen Tageszeitung ein Interview gelesen. Nein, nicht im Mantelteil, der ist im Allgemeinen recht gut, sondern im Lokalteil. Da wird ein Landespolitiker zu den Anforderungen und Chancen der geplanten Verwaltungsreform befragt. Nun ja, das Thema ist einigermaßen brisant und bewegt natürlich auch die Bürger, welche (Verwaltungs-) Wege sie zukünftig zu gehen haben. Oder eben nicht.

Das, was aber bei dem Interview heraus gekommen ist, hat mich richtig erschreckt. Zumal ich den Politiker und seine Sprache kenne. Ich mag nicht glauben, dass der in so einem formal-gestelztem Deutsch antworten würde. Mir kommt es vor, als seien die Fragen vorher schriftlich eingereicht worden und seine Wahlkreismitarbeiterin hat sie zeitungsreif beantwortet. Schließlich soll ja nichts Angreifbares in die Zeitung kommen. Denn die Landtagswahlen 2006 nahen/drohen.

Das Ganze hat für mich aber auch einen anderen Aspekt: wie sollte/darf man ein Interview gestalten? Im Handbuch für Journalisten (UVK Medien, 2. Auflage, 1997) schreibt Prof. Michael Haller sinngemäß, dass "das Interview auf möglichst unterhaltsame Art nicht nur Wissen und Meinung, sondern auch die Denkweise" von Personen in authentischer Form zur Darstellung bringen muss. Wenn man manche Interviews liest, fragt man sich aber, was entweder der Fragende oder der Befragte eigentlich damit sagen will. Und vor allem, wen das interessiert? Kein Wunder also, wenn solche Interviews meist nicht zu Ende gelesen werden.

Ich jedenfalls würde bei formalen Antworten, wie eingangs beschrieben, auf jeden Fall hinterfragen und das Interview damit spannender halten. Vor allem versuche ich in vergleichbaren Fällen immer, die Authenzität der Sprache bewahren. Man muss den auch im Schriftlichen Stil und Duktus einer Person erkennen. Sonst wirkt das Ganze formal und erreicht niemand wirklich.

18.11.05

Kurz und bündig für den Wochenausklang

Was Blogger und Journalisten am Freitag tun oder nicht tun sollten, liest man auf ganz amüsante Art und Weise im "Werbeblogger". Das Ganze ist auch dazu angetan, seine eigene Hitliste für den Wochenausklang festzuschreiben.

14.11.05

Tipps und Tricks: Ordnung ist das halbe Leben

Spam zu bekämpfen ist gar nicht so einfach. Und erst recht die Übersicht zu behalten, was an täglich eintreffenden 600 bis 700 E-Mails, frei nach den Gebrüdern Grimm, ins Töpfchen und was ins Kröpfchen gehört. Selbst die Übersicht zu den tausendundeinen Dateien auf dem eigenen PC zu behalten, wird im Laufe der Jahre immer beschwerlicher. Aber dem kann man wirkungsvoll mit ganz einfachen Mitteln abhelfen...

Wenn man bisher nur ein Posteingangsfach für alle E-Mails hat, so kann man die guten davon bereits aussondern, in dem man neue Ordner anlegt und Filter setzt. Der Effekt ist der, dass die E-Mails den jeweiligen Ordnern automatisch zugeordnet werden und die Übersicht zu einem bestimmten Thema oder E-Mail-Abo recht leicht fällt. Der Rest ist dann schnell zu überschauen und Spam ebenso schnell in den virtuellen Papierkorb zu befördern. Von den Spamfiltern der Provider rate ich ab. Da ist aus eigener Erfahrung zu groß, dass auch "richtige" und wichtige E-Mails verloren gehen.

Auch bei der Ordnung von Dateien oder Fotos rate ich zum Aufbau einer eigenen Verzeichnisstruktur. Damit man die dann auch gut wiederfinden kann, können die Dateien oder Fotos dann zusätzlich mit verschiedensten Informationen wie Kategorien, Stichwörter oder Kommentaren versehen werden. Und das geht ganz einfach: Ansicht im Explorer auf Details setzen - rechter Mausklick auf die Datei/das Foto und wählen von Eigenschaften - dort kann man dann im Reiter Dateinfo die entsprechenden Eingaben vornehmen. Und recherchieren lässt sich das Ganze dann ebenfalls über den Explorer und die Suche nach eben diesen Merkmalen.

Wem das zu aufwendig ist, dem empfehle ich das Archivierungsprogramm StudioLine Photo Edition, das es in einer recht brauchbaren Version kostenlos zum Download gibt.

Für die Übersicht zu den Fotos ist außerdem das Programm Picasa von Google ganz nützlich. Das findet garantiert alle Fotos auf dem PC und auch solche, die schon seit Jahren als verschollen gelten. Das Tool ist kostenlos verfügbar und hat eine komfortable Explorer-Fuinktion, über die man Fotos nach Belieben verschieben oder zuordnen kann. Und es hat noch witzige Anzeige-Funktionen, über die man positiv überrascht sein wird.

Nicht übel ist auch die Copernic Desktop Search, die es ebenfalls kostenlos im Web gibt. Über dieses Tool kann man ebenfalls schnell und effektiv nach allen möglichen Dateien auf seinem PC suchen und diese übersichtlich anzeigen lassen.

13.11.05

Jonet-Tag: Diskussion mit Profil und Niveau

Der Jonet-Tag 2005 war für für mich eine Art Premiere. Habe ich doch das erste Mal an dem Kongress teilgenommen. Gleich vorab: Was das Jonet-Team um Susanne Kortshagen und Jochen Wegner da auf die Beine gestellt hat, war eine Meisterleistung in Kombination aus professioneller Konzeption und Organisation, geschärftem journalistischem Profil und hohem Diskussions-Niveau. An letzterem hatten alle ihren Anteil - die Organisatoren, die Moderatoren und Podiumsteilnehmer der einzelnen Workshops und natürlich die Diskussionsteilnehmer aus allen journalistischen Sparten selbst.

Mir der Kongress in der Hamburger Handelskammer eine ganze Menge gebracht. Zunächst natürlich neue Eindrücke und die Begegung mit Personen von Angesicht zu Angesicht, die man sonst nur virtuell kennt. Dann haben die Diskussionen eigene Standpunkte bestätigt, vor allem, was Qualität, Kritik und Kritikfähigkeit in bzw. für der/die journalistische Tätigkeit betrifft. Wie nicht anders zu erwarten, habe ich aber auch eine Reihe von Anregungen aufgenommen, die eigene Arbeit zu überdenken, neue Wege für deren Effektivität und ggf. Kooperationen, Netzwerke und auch Nischen zu suchen. Getreu dem Motto: Gemeinsamkeit macht stark.

Nicht unerwartet, aber doch in dieser Komplexität überraschend, war für mich, dass das Blog sozusagen zum "Wort des Kongresses" aufsteig. In keinem der von mir besuchten Workshops blieb die Blog-Diskussion außen vor. Blogosphäre allgegenwärtig. Aber letztlich ist ein Blog auch nur eine sehr nuancenreiche Ergänzung des medialen Angebots in seiner Gesamtheit. Soll wohl heißen: ohne die Vielfalt der Medien ist auch in Blogs nix los. Meine persönliche Auswertung des Jonet-Kongresse wird deshalb stark in dieses Blog hinein wirken, das ich noch stärker vernetzen werde. Man darf gespannt sein, was dabei heraus kommt.

Technorati Tag
Flickr-Fotos

10.11.05

Freie wie Feste bezahlen?

Gute Nachrichten aus Weimar: Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hält an seinem Ziel fest, finanzielle Verbesserungen für fest angestellte Redakteure auch auf freie Journalisten auszuweiten. An den Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger erging die Aufforderung, zügig zu einem Abschluss der Verhandlungen über gemeinsame Vergütungsregeln für journalistische Urheber zu kommen. Frei nach Goethe kann ich da nur sagen: Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!

Das Anliegen an sich ist lobenswert und in seiner Umsetzung mehr als überfällig. Wie aber die Chancen aus? Wer will die großen und kleinen Verleger und anderen Auftraggeber im journalistischen Geschäft zu solchen Zugeständnissen zwingen? Die Möglichkeiten, solche Abschlüsse zu umgehen, werden ebenso riesig sein, wie die Ideen dazu. Angesichts wachsenden Lohndumpings gerade in der Verlagswelt ist es aus meiner Sicht eine Utopie, für Freie Honorarbedingungen festzuschreiben. Nehmen Sie den einen nicht für einen Auftrag, kommt ein anderer und schreibt für die Hälfte dessen, was sein Vorgänger gefordert hat. So einfach ist das. Nein zu sagen, ist gerade in diesem Bereich sehr schwer. Und das hat noch nicht einmal so viel etwas mit Charakter zu tun.

9.11.05

Berliner Duden: det is eene Wolke!

Wer den Duden auf Reisen nicht auf dem Laptop installiert hat, der kann eine Mini-Ausgabe mit ins Gepäck legen. Man weiß ja nie... Besonders gewappnet sind aber diejenigen, die der Hauptstadt Berlin einen Besuch abstatten, oder dort beruflich zu tun haben. Im 125-sten Jahr des Duden haben sich dessen Macher nämlich etwas Besonderes einfallen lassen. In den "Kleinen Duden" ist in einer Sonderausgabe der typisch Berliner Wortschatz eingebunden und es gibt sogar eine kleine Einleitung zur Geschichte und den Besonderheiten der "Berliner Schnauze".


So gesehen ist der "Berliner Duden" kein typischer Fall von Denkste, sondern eine ungemein amüsante Bereicherung des Sprachschatzes auch und gerade für den Journalisten. Neben den oft derb-freundlichen Bezeichnungen für "allet Möjliche" gibts hier auch die Auflösungen für zahlreiche Redensarten der Berliner "Ureinwohner" und der Ausruf: "Doof jeborn und nüscht dazujelernt" wird ad absurdum geführt.

Deswegen muss man in dem "Kleinen Duden" nicht auf den üblichen Qualitätsstandard der deutschen Sprache verzichten. Die 6. Auflage umfasst mehr als 47.000 Stichwörter einschließlich der wichtigsten Fach- und Fremdwörter. Als passende Beilage enthält der Mini-Duden natürlich auch die deutsche Grammatik in Kurzfassung sowie Sprachtipps und ein kleines Synonymwörterbuch. Fazit: Man muss kein Berliner werden wollen, wenn man diesen Duden kauft, hat aber für schlappe 11 Euronen ein gutes Nachschlagewerk mit Fun-Effekt in den Hand. Kurz und gut - det Ding is eene Wolke!

Empfehlenswert für Journalisten ist immer auch der Newsletter zur Duden-Sprachberatung, den man über diesen Link bestellen kann.

Neuer Name: aJourBlog

Das ist natürlich noch nicht die "Meldung des Tages". Aber Erwähnung soll schon erhalten, dass ich mein Blog ab heute "aJourBlog" nenne. Das ist ein Wortspiel mit Doppeldeutigkeit. Hatte der alte Name "ArchivBlog" eher den Bezug zu meiner früheren beruflichen Tätigkeit, soll nun mein Wirken als freier Journalist stärker zum Wirken kommen, ohne, dass ich den Archivar (im kleinen a) verleugnen will.

Das aJourBlog ist also eine Mischung aus "a" der Liebe zum archivarischen Beruf und "Jour" mit dem engen Bezug zum Journalismus. Das Wort "a jour" hat aber auch noch eine andere Bedeutung und heißt aus dem Französischen übersetzt "bis zum (heutigen) Tag" oder auch "auf dem Laufenden sein". Letzteres ist ein hoher Anspruch und meist nur schwer zu verwirklichen. Aber auf der Höhe der Zeit will ich schon sein. Im Beruf und im Leben.

8.11.05

Der neueste Schrei: Selbstverständlichkeiten

Fast täglich stoße ich bei meinen Internet-Recherchen auf reißerisch aufgemachte Meldungen, dass die Firma X einen ganz neuen Pressebereich auf ihrer Website aufgemacht hat. Der ist auf die Bedürfnisse der Journalisten zugeschnitten, enthält alle Kontaktdaten und sogar eine Suche über das Archiv der Pressemitteilungen. Da staunt der Fachmann: für wen, wenn nicht für die Journalisten, muss denn ein Pressebereich gestaltet sein? Selbstverständlichkeiten werden zum Aufhänger für Eigen-PR, nicht merkend, dass man damit eine Sache mit x - nämlich "nix" anbietet.

Solche Dinge, Selbstverständlichkeiten als Neuerungen zu verkaufen, sind einigermaßen amüsant. Erinnern sie mich doch an die so genannte Verpflichtungsbewegung in der DDR. Da wurde z.B. im Umfeld nahender Parteitage feierlich gelobt, jeden Tag pünktlich zur Arbeit zu kommen, seine Arbeit gut zu machen und pünktlich wieder zu gehen. Und heute loben sich PR-Chefs und Presse-Verantwortliche diverser Unternehmen über den grünen Klee, weil sie einfach ihre Arbeit machen und Selbstverständlichkeiten anbieten. Frei nach dem Motto: jeden Tag eine gute Tat und die muss dann an den Mann gebracht werden. Ich bin mir sicher, Journalisten wollen keine Ankündigungen, sondern im Rahmen von Internetrecherchen ganz einfach das vorfinden, was sie brauchen. Das sind verlässliche, seriöse Informationen und kompetente Ansprechpartner einschließlich der Möglichkeit der Kommunikation der kurzen Wege via E-Mail. Alles andere ist Tünnef ohne Mehr-Wert.

7.11.05

Journalisten als billige Lohnschreiber?

Eine Meldung machte heute die Runde: Der Deutsche Journalisten-Verband, dessen Mitglied ich bin, erhebt den Vorwurf, dass Leiharbeit Journalisten zu billigen Lohnschreibern macht. Die Stundenlöhne solcher Leiharbeitsfirmen lägen zwischen 7 und 15 Euro und damit weit unter Tarif, meint DJV-Chef Michael Konken. Recht hat er. Trotzdem hat die Sache aus meiner Sicht zwei, wenn nicht mehrere Seiten.

Richtig ist, dass es nicht im Sinne des Gesetzgebers sein kann, dass damit die Tarifbindung legal umgangen wird. Richtig ist auch, dass mit dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz Erwerbslose in Arbeit gebracht werden sollen. Richtig ist außerdem, dass mit solchen Modellen fest angestellte Redakteure in Leiharbeitsfirmen gedrängt werden, weil "die Verleger eine Lücke genutzt haben, die durch die Gesetzgebung entstanden ist."

Bedenken habe ich bei der Feststellung, das Outsourcing- und Leiharbeitsmodelle automatisch auf Kosten der Qualität gehen müssen. Im Gegenteil: Outsourcing ist zum Beispiel für freie Journalisten eine gute Möglichkeit, sich halbwegs regelmäßige Einkommensquellen zu erschließen. Und es wäre falsch, zu behaupten, dass damit a priori "ein objektiver und unabhängiger Journalismus unter solchen Bedingungen nicht mehr möglich" sei. Wer als freier Journalist sei täglich Brot verdingen will, muss und wird auch bei Strafe seines Untergangs Zeit für Recherchen einplanen und stets bemüht sein, Qualitätsjournalismus zu liefern. Es ist sogar zu erwarten, dass freie Journalisten noch größeres Engagement an den Tag legen, um mittel- und langfristig zu überleben.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass Auftraggeber das große Angebot an (freien) Journalisten zunehmend tatsächlich unseriös ausnutzen, in dem sie daraus Dumping-Honorare genieren. Die Konkurrenz ist schließlich massenhaft und an jeder Ecke wartet ein anderer. Wenn eine Redaktion für freie Mitarbeiter schon einen Hungerlohn für die Hälfte der üblichen Wochenarbeitzeit zahlt und dann noch die Einräumung oberster Prioritäten und eine Verfügbarkeit im Rahmen eines Vollzeitjobs verlangt, dann ist das schon mehr als unredlich. Einen gewissen Anteil tragen aber daran auch diejenigen Auftragnehmer, die das bei aller Anerkenntnis ihrer wirtschaftlichen Zwänge mitmachen.

Fazit: Es muss ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein. Ein Auftragnehmer muss zum Teil in die Zukunft investieren und ein Auftraggeber so viel Fairness an den Tag legen, des eine Zusammenarbeit keine redaktionelle Ausbeutung und der Journalist kein billiger Tagelöhner wird. Qualitätsverlust ist jedenfalls mit Outsourcing nicht automatisch verbunden.

6.11.05

Der Tag fängt mit dem Planer an…

Er hat die Abmessungen 10 x 14 x 1 Zentimeter, liegt bereits seit einiger Zeit auf meinem Schreibtisch und ich freue mich schon jetzt, dass er ab Neujahr 2006 mein ständiger Wegbegleiter sein wird. Gemeint ist der so genannte PressePlaner 2006. Der wurde von der Gewerkschaft ver.di und der Deutschen journalistinnen- und journalisten-Union dju herausgegeben und ist ein handliches Gemisch aus Kalender, Notiz- und Nachschlagebuch.

Und weil es Kalender und Notizbücher in massenhafter Vielfalt gibt, ist der PressePlaner natürlich ganz auf die individuellen Bedürfnisse von Journalisten abgestimmt. Die Rubriken reichen von Termine, wie man das von einem Kalender erwarten kann, über Finanzen, Werkstatt, Unterwegs und Formulare bis hin zu Adressen und Notizbuchfunktionen.

Wer nun neugierig geworden ist, der sollte hier weiterlesen…

Ziel(gruppe) verfehlt: die Generation Ü50

Müssen uns das die Österreicher vormachen? ORF-Chefin Monika Lindner jedenfalls hat das gängige mediale Bild älterer Menschen kritisiert, das die Realität oft nur ungenügend widerspiegele. TV und Werbung würden sich lieber auf die Zielgruppe zwölf bis 49 Jahre einschließen. Die "50er", zu denen auch ich gehöre, stellten eine "merkwürdige Demarkationslinie" dar.

Nun ja, das kann man so oder so sehen. Ich gehöre nicht zu denen, die sich von Werbung aller Art lenken lassen, täglich Kreuzworträtsel für Kaffeefahrten-Preise lösen und die Schlagzeilen der Promis aufsaugen. Aber etwas ist an der Sache schon dran. Allein im Internet sind die Angebote für die UHUs (unter Hundert) rar und wenn, dann von eher wenig Attraktivität geprägt. Hier wird, das bestätigt auch Lindner, die Zielgruppen-Definition nur auf das Alter bezogen. Das ist längst kein glaubwürdiges und zuverlässiges Kriterium mehr. Um das heraus zu bekommen, braucht man auch kein Handbuch, wie Lindner empfiehlt, sonder eher einen gesunden Menschenverstand. Und im Übrigen sollten vielleicht entsprechende Angebote von solchen gemacht werden, die es wissen müssen: die Ü50er, also die "echten" Fünfziger, selbst. Natürlich nicht ohne Mitwirkung jüngeren Sachverstands und jugendliche Frische. Das hält jung und relativiert das Alter für die Zielgruppe einmal mehr.

5.11.05

Faszination Spätherbst

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün, Reseden und Astern im Verblühn, die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht, der Herbst ist da, das Jahr wird spät. Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht – weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt! Banne die Sorge, genieße, was frommt, eh Stille, Schnee und Winter kommt.

Dieses Gedicht von Theodor Fontane fiel mir spontan ein, als ich dieser Tage unser Haus in spätherbstlicher Umgebung fotografierte. Beim Anblick solcher Bilder, ich komme schließlich viel im Land Mecklenburg-Vorpommern herum, kann einem buchstäblich das Herz aufgehen. Von Weltuntergangsstimmung angesichts des sich dem Ende zuneigenden Jahres kann da überhaupt keine Rede sein. Im Gegenteil, hier wird erst der tiefere Sinn des vielsinnigen Sprichwortes "Auch der Herbst hat schöne Tage..." deutlich. Für mich hat Spätherbst wie alle Jahreszeiten seine ganz eigenen Reize. Die Tage werden kürzer und sind trotzdem um so farben- und abwechslungsreicher. Die längeren Abend nutze ich dann meist für Dinge, zu denen sonst Zeit und Muse fehlen. Und wenn dann der Frühling das erste Mal seine Nase durch die Tür der Jahreszeiten steckt, oder der Sommer kräftig Einlass begehrt, denke ich doch an den Spätherbst mit seiner ganz eigenen Faszination. Das ist für mich kein Ende, eher der goldene Ausblick auf den Beginn.

4.11.05

Wie man(n) mit Empfehlungen umgeht

Habe ich doch eben in einem anderen Blog eine interessante Fragestellung gefunden. Die lautet: Wie halten Sie es bei Empfehlungen? Meine Antwort dazu ist schnell gefunden. Ich bedanke mich und überlege, wie man daraus unter Umständen geschäftliche Beziehungen anbahnen könnte. Dann ist der Weg zu einem Angebot oft sehr kurz, wenn auch nur in wenigen Fällen von Erfolg gekrönt.

Aber Empfehlungen haben für mich auch eine ganz persönliche Seite. Man trifft auf neue Menschen, findet neue virtuelle Quellen und erhält Anregungen für die Arbeit. Manchmal auch fürs Leben. Und in einigen Fällen werden einem sogar die Augen geöffnet über Menschen, die sich als Blender, Schnacker (wie man hier im Norden sagt) entpuppen. Auch das ist eine Erfahrung, die man aus Empfehlungen erhalten kann. Meist habe ich aber auf diesem Weg nette Weggefährten und neue Gesprächspartner gefunden.

3.11.05

Das freut auch Journalisten: dBook im Anmarsch

Eine Pressemitteilung des Heidelberger dpunkt-Verlags hat mich aufhorchen lassen: künftig wird es so genannte dBooks geben. Das ist eine neue Publikationsform für Fotobücher: Digitale Bücher, bestehend aus CD und Booklet, versorgen ambitionierte Fotoprofis und -amateure mit umfassenden Informationen und nützlichen Tools für den kreativen und erfolgreichen Umgang mit der Digitalkamera. Sowohl hinsichtlich der Fülle der angebotenen Informationen als auch der neuartigen interaktiven Struktur geht das dBook weit über das Originalhandbuch einer digitalen Spiegelreflexkamera hinaus.

Das habe ich natürlich als Besitzer einer Nikon D70 umgehend bestellt und bin gespannt, wie sich das neue Medium "anfässt". Immerhin soll die Bildschirmpräsentation der gedruckten Form digitaler Bilder weit überlegen sein. Man(n) darf also gespannt sein. Und die Ergebnisse gibt's demnächst in diesem Blog. Versprochen.

2.11.05

Koalitonstheater: Wenn aus Statikern Statisten werden...

Der 1. November 2005 wird im politischen Kalender der Bundesrepublik Deutschland einen festen und besonderen Platz erhalten. In Berlin ringen die Koalitionäre von SPD und CDU um Konsens in den wichtigsten Fragen einer künftigen gemeinsamen Regierung. Mitten in diese Verhandlungen platzen (mindestens) zwei Bomben.

Franz Müntefering gibt sein Amt als Parteivorsitzender auf, weil er keine Frau an seiner Seite dulden will, die noch dazu den Rang einer Generalsekretärin haben soll. Und der Stoiber Edmund aus dem fernen Bayern sieht plötzlich und (nicht) unerwartet seinen Platz nun doch endgültig auf dem Thron in Bayern. Von dort aus stichelt es sich besser gen Berlin und Osten überhaupt. Ohne den Münte könne er nicht, lässt er verlauten. Nun fragt man(n) sich auch schon ernsthaft, welches Schicksal Angela (Ähnschie) Merkel in den nächsten Wochen noch ereilen wird. Politpossen ohne Beispiel angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Missstände.

Der einzige Lichtblick in diesem Theater kommt trotzdem von der SPD: Matthias Platzeck will das späte Erbe Willy Brandts antreten und stellt sich der Wahl zum neuen Parteichef. Der geradlinige Deichgraf aus Brandenburg ist längst kein politisches Leichtgewicht mehr. Ihm traue ich als einen der wenigen zu, politische Gräben zu überwinden und neue politische Wege zu beschreiten. Mehr noch: ich habe ihm gestern Morgen sogar ein Fax in die Staatskanzlei geschickt und ihn als bekennender Nicht-SPD-Wähler dazu ermuntert, das "hohe Amt" anzutreten, wenn ihn der Ruf der Partei ereilt. Ich schrieb an ihn u.a.: "...Ich halte Sie dafür (für das Amt als Parteivorsitzender - MHR) für ausgesprochen kompetent und einen Mann, der auch parteiübergreifend und ausgleichend wirken kann..."

Ob Platzeck mein Fax erhalten hat und ob er auf meinen Rat Wert legt, weiß ich nicht. Jedenfalls hat er mittlerweile verkündet, er wolle das Amt "mit Leidenschaft und Hingabe ausfüllen". Eben dessen bin ich gewiss. Und das nährt meine Hoffnung, dass nach den nächsten Bundestagswahlen, wann immer die sind, neue Koaltionen geschaffen werden können. Solche, von denen auch das Wahlvolk profitiert und nicht nur die Politiker mit ihren oppulenten Tandiemen.

1.11.05

Ist Journalismus kein Traumberuf mehr?

Ab heute geht's hier (wieder) rund: jeden Tag wird mindenstens ein Eintrag aus dem journalistischen Umfeld und meinen internetten Ausflügen erscheinen. Kleine Ausnahmen vorbehalten. Die erste nennenswerte Meldung erreichte mich am Reformationstag. Und die kam aus Österreich. Dort hat man herausgefunden, dass Journalist sein offensichtlich gar nicht mehr unbedingt der Traumberuf ist. Nur eine knappe Mehrheit der österreichischen Journies wollte eben das schon immer werden.

Dagegen meinen über 40 Prozent der Journalisten, dass Fernsehen als Freizeitbeschäftigung in ist und ebenso viele Journalisten gern kocht. Nun ja, das eine (Journalist sein) soll ja bekanntlich das andere (Fernsehen und/oder Kochen) nicht ausschließen. Aber etwas verwundert mich das nun schon. Ich selbst arbeite seit ca. 13 Jahren als Journalist. Und das füllt mich derart stark aus, dass ich meine durchaus vorhandenen Koch-Gelüste eher auf Sparflamme schalte. Bei mir dreht sich eigentlich alles nur rund um das Journalistendasein.

Was die Auswertung der Befragung in unserem Nachbarland betrifft, kann man sich hier "schlau" und seinen eigenen Reim drauf machen...