Eine Meldung machte heute die Runde: Der Deutsche Journalisten-Verband, dessen Mitglied ich bin, erhebt den Vorwurf, dass Leiharbeit Journalisten zu billigen Lohnschreibern macht. Die Stundenlöhne solcher Leiharbeitsfirmen lägen zwischen 7 und 15 Euro und damit weit unter Tarif, meint DJV-Chef Michael Konken. Recht hat er. Trotzdem hat die Sache aus meiner Sicht zwei, wenn nicht mehrere Seiten.Richtig ist, dass es nicht im Sinne des Gesetzgebers sein kann, dass damit die Tarifbindung legal umgangen wird. Richtig ist auch, dass mit dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz Erwerbslose in Arbeit gebracht werden sollen. Richtig ist außerdem, dass mit solchen Modellen fest angestellte Redakteure in Leiharbeitsfirmen gedrängt werden, weil "die Verleger eine Lücke genutzt haben, die durch die Gesetzgebung entstanden ist."
Bedenken habe ich bei der Feststellung, das Outsourcing- und Leiharbeitsmodelle automatisch auf Kosten der Qualität gehen müssen. Im Gegenteil: Outsourcing ist zum Beispiel für freie Journalisten eine gute Möglichkeit, sich halbwegs regelmäßige Einkommensquellen zu erschließen. Und es wäre falsch, zu behaupten, dass damit a priori "ein objektiver und unabhängiger Journalismus unter solchen Bedingungen nicht mehr möglich" sei. Wer als freier Journalist sei täglich Brot verdingen will, muss und wird auch bei Strafe seines Untergangs Zeit für Recherchen einplanen und stets bemüht sein, Qualitätsjournalismus zu liefern. Es ist sogar zu erwarten, dass freie Journalisten noch größeres Engagement an den Tag legen, um mittel- und langfristig zu überleben.
Die Kehrseite der Medaille ist, dass Auftraggeber das große Angebot an (freien) Journalisten zunehmend tatsächlich unseriös ausnutzen, in dem sie daraus Dumping-Honorare genieren. Die Konkurrenz ist schließlich massenhaft und an jeder Ecke wartet ein anderer. Wenn eine Redaktion für freie Mitarbeiter schon einen Hungerlohn für die Hälfte der üblichen Wochenarbeitzeit zahlt und dann noch die Einräumung oberster Prioritäten und eine Verfügbarkeit im Rahmen eines Vollzeitjobs verlangt, dann ist das schon mehr als unredlich. Einen gewissen Anteil tragen aber daran auch diejenigen Auftragnehmer, die das bei aller Anerkenntnis ihrer wirtschaftlichen Zwänge mitmachen.
Fazit: Es muss ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein. Ein Auftragnehmer muss zum Teil in die Zukunft investieren und ein Auftraggeber so viel Fairness an den Tag legen, des eine Zusammenarbeit keine redaktionelle Ausbeutung und der Journalist kein billiger Tagelöhner wird. Qualitätsverlust ist jedenfalls mit Outsourcing nicht automatisch verbunden.