Politische Mattscheiben-Logik
Der Schauspieler Peter Sodann wollte sich was trauen und allen Ernstes für die neue Linkspartei in den Deutschen Bundestag einziehen. Prompt reagierte der Mitteldeutsche Rundfunk. Der Sender wollte Streifen mit Sodann absetzen, wenn er ein Bundestags-Mandat errringt. Begründung des Intendanten: Wenn jemand ein Mandat hat, dann ruht in dieser Zeit sein Arbeitsverhältnis mit dem Sender. Man werde es halten wie andere ARD-Anstalten in vergleichbaren Fällen. Kurios ist aber: die gibt es bislang noch nicht. Deshalb gebe es auch keine formale Regelung.
Politiker von SPD, CDU und Grünen haben Sodann sogar zum Verzicht auf seine Rolle als "Tatort"-Kommissar Ehrlicher aufgefordert. Der hatte nämlich angekündigt, trotzdem weiter die Rolle des Fernsehkommissars spielen zu wollen. Beim MDR hatte es erst geheißen, Sodann müsse zwar im Vorfeld der Wahl sechs Wochen lang auf Fernsehauftritte verzichten. Danach könne er dann aber wieder auf dem Bildschirm erscheinen. Ein Gespräch mit MDR-Intendant Reiter hat nun ergeben, dass Sodann sich auf seine künstlerische Aufgabe konzentriert und der aktiven Politik einen Korb gibt.
Beachtenswert in diesem Zusammenhang Reaktionen von Schauspieler-Kollegen: Uschi Glas meinte, dass man in einer Demokratie tolerant sein sollte und es sich schon danach anhöre, als wenn auf Peter Sodann Druck vom MDR ausgeübt worden ist. Jochen Senf, alias Tatort-Kommissar Max Palü, dagegen meinte gegenüber Spiegel-Online: "Ich wüsste nicht, was dagegen spräche, wenn Schauspieler ein Landtags-oder Bundestagsmandat übernehmen. Allerdings hätte ich dem Kollegen Sodann von vornherein abgeraten, diesen Faschismus von links, den Oskar Lafontaine betreibt, zu unterstützen." Senf hatte 2002 mit anderen Prominenten Gerhard Schröder im Wahlkampf offen unterstützt.
Kurz kommentiert: Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man lachen. In Amerika werden Schauspieler Politiker und setzen als solche ihre Schauspielerei fort. Wenn sich nun in deutschen Landen aber einmal einer ins vermeintlich falsche politische Lager schlägt, sind sich alle "Demokraten" einig. Mattscheiben-Logik erster Güte, möchte man meinen... Schade nur, dass sich Peter Sodann am heutigen Nachmittag entschlossen hat, von seiner Kandidatur Abstand zu nehmen. Eigenem Bekenntnis nach will er lieber ein politisch denkender Schauspieler, als ein schauspielernder Politiker sein. Das zumindest lässt hoffen.
Das ist ein Beitrag, den ich für journalismus.compact geschrieben habe.

