30.5.05

Peinlichkeiten oder späte Einsichten?

In der Allgemeinen Zeitung Bad Kreuznach liefert Ex-Politbüromitglied Günter Schabowski einmal mehr seine Erkenntnisse über das Medienverständnis in der DDR. Das Blatt zitiert den Mann, der sich selbst als "DDR-Fossil" bezeichnet: "Nicht was ist, sondern was zu sein hat, bestimmte den Inhalt der Zeitungen."

Der Vortrag Schabowskis bei einem Symposium über "Die Westlinke und die DDR" an der Mainzer Universität soll immerhin launig gewesen sein. Das westliche Verständnis von Journalismus, so der ehemalige Chefredakteur der Tageszeitung Neues Deutschland, beruht nicht zuletzt auf der Akzeptanz seiner destabilisierenden Wirkung, so Schabowski. Als vierte Gewalt im Staat seien dei Medien darauf ausgerichtet, politische Verhältnisse kritisch zu beleuchten. Keine Frage also, dass das im Sozialismus ganz anders ausgesehen habe. Denn dort sollte Journalismus den Staatsapparat stabilisieren. Die Medien waren seiner Meinung nach das schärfste Lenkwaffensystem der SED. Der journalistische Nachwuchs wurde nach Parteilinientreue ausgesucht und an der journalistischen Fakultät der Uni Leipzig, dem so genannten "Roten Kloster" geklont. Heraus kamen Parteiredakteure, also Kommunisten, die in Schrift, Wort und Bild die Parteilinie transportierten. Die Ideologie war das Absolute." Kategorien wie Freiheit, Offenheit und Objektivität hätten in der Berichterstattung keine Rolle gespielt. Schabowski: "Wenn im Westen das Fehlen dieser Kategorien bei uns moniert wurde, war das für uns kein Grund zur Peinlichkeit." Mehr noch, man habe den Blättern nicht geglaubt, lässt er eloquent verlauten.

Kommentar gefällig? Ich meine, der ist an dieser Stelle überflüssig. Der einstige mediale Oberscharfmacher der SED soll seine Erkenntnisse und Peinlichkeiten für sich behalten. Die Darstellung der DDR-Medientätigkeit ist weit mehr und tiefgründiger als dieses plakative, peinlich genau auf (launige) Klischees ausgerichtetes Gesabbere eines Mannes, der mehr als einmal im Leben zu spät gekommen ist.

Das ist ein Beitrag, den ich für journalismus.compact geschrieben habe.

13.5.05

T-Online übt sich in Kundenfreundlichkeit

Die anscheinend gute Nachricht: T-Online startet einen monatlichen Presse-Newsletter. Die einschränkende Nachricht: ob sich dadurch das Angebot des Magenta-Riesen verbessert, mag man eher bezweifeln. Jedenfalls soll es künftig Informationen zu Produkten und Services von T-Online geben. Und das sogar, wie großzügig, kostenlos an alle Abonnenten.

Im Newsletter enthalten sein sollen einmal im Monat die wichtigsten Entwicklungen im Internetmarkt, aktuelle Produktneuerungen, Ergebnisse relevanter Studien, Starts neuer Services und Specials aus den Portalen unter www.t-online.de. Sogar exklusive Interviews mit Top-Managern von T-Online zu aktuellen Themen, halten die Macher des neuen Newsletters bereit.

Mein Kommentar zu diesen glänzenden Aussichten: Besser wäre es, wenn man Journalisten in der virtuellen bundesdeutschen Pampa eine ordentliche Flatrate zur Verfügung stellen würde, statt sie mit PR-Meldungen vom Schlage "die die Welt nicht braucht" zu beliefern. Technisch wäre das zumindest als ISDN-Flatrate jederzeit möglich. Das wäre ein echter Dienst am Journalisten. Aber offenbar geht es mehr ums Geschäft und die Sicherung von Manager-Gehältern und Abfindungen als um tatsächlichen Dienst am Kunden.

Das ist ein Beitrag, den ich für journalismus.compact geschrieben habe.

8.5.05

Ungefährlich, aber reizvoll: Wissens-Duell mit sich selbst

Quizzen, oder wie das heißt, ist in. Von Günter Jauch über Jörg Pilawa bis hin zum ewig albernden Hape Kerkeling ist das Quiz in alle Munde. Bei dem einen gibt es viel, bei dem anderen relativ viel und bei dem langweiligen Oberlehrer eigentlich gar nichts zu gewinnen. Es sei denn, man(n) wird um eine Erfahrung reicher...

Warum sich also nicht im stillen Kämmerlein oder im Freundeskreis "weiterbilden " und/oder zudem einen netten Abend im Freundeskreis verbringen. Des Rätsels Lösung bietet der altehrwürdige Brockhaus, wie akademie.de zu berichten weiß. Der ist nämlich nicht nur ein Nachschlagewerk, sondern auch ein Unterhaltungsmedium, das Köpfe rauchen lässt. Am Brockhaus-Quiz teilzunehmen, ist ganz leicht. Nach einer kurzen Registrierung wählt man eine Rubrik aus, z.B. Natur & Technik, Allgemeinwissen, Musik, Kunst aus und dann geht es los: Grübel, grübel... Dieselben Fragen werden dann an den virtuellen Gegner verschickt, dessen E-Mail man vorher angegeben hat. Sogar eine Siegerehrung findet statt, Revanche inbegriffen.

Funkstille, oder: Der Fluch des Fremdbloggens...

Da habe ich mir nun selbst etwas eingebloggt. Seit über acht Wochen herrscht in meinem eigenen ArchiBlog buchstäbliche Funkstille. Schuld daran ist das Fremdbloggen, von dem ich Mitte März berichtete. Damit soll jetzt Schluss sein. Nicht mit dem Fremdbloggen, aber mit der Funkstille.

Also werde ich das Notwendige mit dem Nützlichen verbinden und auch hier zu einigen Themen linken, die ich auf Journalismus.compact veröffentliche. Sicher werden auch die Besucher meiner Website an dem einen oder anderen Thema Gefallen finden und dabei erkennen, dass bei MHR eben doch keine Funkstille herrscht.