25.11.05

Medienkanzler: na und?

Er ist der Medienkanzler schlechthin. Kein anderer hat seine Selbstdarstellung so gekonnt inszeniert und durchgezogen wie Gerhard Schröder. Effektvoller Schlusspunkt: der Große Zapfenstreich und die verdrückte Träne beim Klang von "My way". Ganz ehrlich, kann man ihm diese Träne verdenken? Er hat, bei aller Kritik um "Was" und "Wie", seinen Weg gewählt und diesen, zugegeben oft sehr widersprüchlich und selbstherrlich, mit Konsequenz beschritten. Das hat ihm, im Detail zu Recht, viel Medienschelte eingebracht. Und nun geifern manche Medien darüber, dass ausgerechnet der Medienkanzler ins Mediengeschäft einsteigt...

Man(n) ist geneigt, zu sagen: "Na und?" Wenn er seinen Job gut macht und dem Arbeitgeber in der Schweiz gute Geschäfte einbringt. Dass er einen interessanten Job dem Dasein eines Polit-Pensionärs vorzieht, ein schönes Arbeitszimmer im Ringier-Haus und ein gut dotiertes Salär bekommt, kann man ihm doch nicht ernsthaft vorwerfen. Es wird allerdings wieder auf das "Was" und "Wie" ankommen. Daran wird man ihn auch künftig messen müssen. Seine politischen Visionen und sein politisches Agieren zu begleiten und ggf. zu kritisieren, war und ist in Ordnung. Und das ist auch Medien-Auftrag. Meine ich. Seine Lebensplanung geht aber nur ihn etwas an. Und es gibt auch noch einen Satz von Konrad Adenauer, der lautet: "Nehmt die Menschen wie sie sind, andere gibt es nicht."