Koalitonstheater: Wenn aus Statikern Statisten werden...
Der 1. November 2005 wird im politischen Kalender der Bundesrepublik Deutschland einen festen und besonderen Platz erhalten. In Berlin ringen die Koalitionäre von SPD und CDU um Konsens in den wichtigsten Fragen einer künftigen gemeinsamen Regierung. Mitten in diese Verhandlungen platzen (mindestens) zwei Bomben.
Franz Müntefering gibt sein Amt als Parteivorsitzender auf, weil er keine Frau an seiner Seite dulden will, die noch dazu den Rang einer Generalsekretärin haben soll. Und der Stoiber Edmund aus dem fernen Bayern sieht plötzlich und (nicht) unerwartet seinen Platz nun doch endgültig auf dem Thron in Bayern. Von dort aus stichelt es sich besser gen Berlin und Osten überhaupt. Ohne den Münte könne er nicht, lässt er verlauten. Nun fragt man(n) sich auch schon ernsthaft, welches Schicksal Angela (Ähnschie) Merkel in den nächsten Wochen noch ereilen wird. Politpossen ohne Beispiel angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Missstände.
Der einzige Lichtblick in diesem Theater kommt trotzdem von der SPD: Matthias Platzeck will das späte Erbe Willy Brandts antreten und stellt sich der Wahl zum neuen Parteichef. Der geradlinige Deichgraf aus Brandenburg ist längst kein politisches Leichtgewicht mehr. Ihm traue ich als einen der wenigen zu, politische Gräben zu überwinden und neue politische Wege zu beschreiten. Mehr noch: ich habe ihm gestern Morgen sogar ein Fax in die Staatskanzlei geschickt und ihn als bekennender Nicht-SPD-Wähler dazu ermuntert, das "hohe Amt" anzutreten, wenn ihn der Ruf der Partei ereilt. Ich schrieb an ihn u.a.: "...Ich halte Sie dafür (für das Amt als Parteivorsitzender - MHR) für ausgesprochen kompetent und einen Mann, der auch parteiübergreifend und ausgleichend wirken kann..."
Ob Platzeck mein Fax erhalten hat und ob er auf meinen Rat Wert legt, weiß ich nicht. Jedenfalls hat er mittlerweile verkündet, er wolle das Amt "mit Leidenschaft und Hingabe ausfüllen". Eben dessen bin ich gewiss. Und das nährt meine Hoffnung, dass nach den nächsten Bundestagswahlen, wann immer die sind, neue Koaltionen geschaffen werden können. Solche, von denen auch das Wahlvolk profitiert und nicht nur die Politiker mit ihren oppulenten Tandiemen.


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