Der neueste Schrei: Selbstverständlichkeiten
Fast täglich stoße ich bei meinen Internet-Recherchen auf reißerisch aufgemachte Meldungen, dass die Firma X einen ganz neuen Pressebereich auf ihrer Website aufgemacht hat. Der ist auf die Bedürfnisse der Journalisten zugeschnitten, enthält alle Kontaktdaten und sogar eine Suche über das Archiv der Pressemitteilungen. Da staunt der Fachmann: für wen, wenn nicht für die Journalisten, muss denn ein Pressebereich gestaltet sein? Selbstverständlichkeiten werden zum Aufhänger für Eigen-PR, nicht merkend, dass man damit eine Sache mit x - nämlich "nix" anbietet.
Solche Dinge, Selbstverständlichkeiten als Neuerungen zu verkaufen, sind einigermaßen amüsant. Erinnern sie mich doch an die so genannte Verpflichtungsbewegung in der DDR. Da wurde z.B. im Umfeld nahender Parteitage feierlich gelobt, jeden Tag pünktlich zur Arbeit zu kommen, seine Arbeit gut zu machen und pünktlich wieder zu gehen. Und heute loben sich PR-Chefs und Presse-Verantwortliche diverser Unternehmen über den grünen Klee, weil sie einfach ihre Arbeit machen und Selbstverständlichkeiten anbieten. Frei nach dem Motto: jeden Tag eine gute Tat und die muss dann an den Mann gebracht werden. Ich bin mir sicher, Journalisten wollen keine Ankündigungen, sondern im Rahmen von Internetrecherchen ganz einfach das vorfinden, was sie brauchen. Das sind verlässliche, seriöse Informationen und kompetente Ansprechpartner einschließlich der Möglichkeit der Kommunikation der kurzen Wege via E-Mail. Alles andere ist Tünnef ohne Mehr-Wert.


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