10.1.05

Als ich noch ein Junge war...

Biggi ist immer eine, nicht nur virtuelle, Überraschung gut. Sie hat mich auf die Spur von der kleinen Anna-Elisa gebracht. Das ist ein Mädchen, das in zartem Alter von sieben Jahren schon kleine Geschichten schreibt. Offenbar liebevoll von ihren Eltern gefördert, entwickelt sie auf ihren Internet-Seiten fantasievoll und mit dem offenen Blick für die kleinen Dinge im Leben klitzekleine "Storys", wie man heute sagt.
Das erinnert mich an Zeiten, als ich noch ein Junge war und von meinen Eltern nur "Micke" genannt wurde. Auch ich habe in ähnlicher Weise zu schreiben begonnen, habe Geschichten nachgeschrieben, die mir meine Großmutter erzählt hat, mein längst verschollenes Erstlingswerk vom Hund Purzel und später Gedichte von Liebesfreud' und -leid geschrieben. Erst viel später wurde die Sache dann ernster. Ich arbeitete ehrenamtlich in einer Betriebszeitungsredaktion und war in Organisationen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig, bevor ich einen "richtigen" Beruf, Archivar, erlernte und (sehr gern) ausübte. Dass mein Weg dann doch noch zum Journalismus geführt hat, ist den Zeichen der Zeit geschuldet. Vielleicht war es aber auch ein wenig Bestimmung, ohne das Wort an sich überstrapazieren zu wollen.
Bemüht habe ich mich aber sowohl als Archivar als auch als Journalist immer, meine eigene Note, meinen eigenen Stil in den Beruf einzubringen. Nicht ohne Fehler, nicht ohne Kritik und nicht ohne Niederlagen. Aber mit der Gewissheit, mir selbst treu geblieben zu sein. Als Herausgeber einer eigenen Wochenzeitung habe ich 1994 einen "Leitartikel" unter dem Titel "Suchet der Stadt Bestes" geschrieben. Ein Leser hat eben diese Zeile ausgeschnitten, auf Pappe aufgeklebt und mir mit dem Zusatz "Philosoph & Reporter" zugeschickt. Das hat mich berührt und ein wenig stolz gemacht, weil ich Anerkennung darin sehe. Eben dieses Kärtchen liegt noch heute auf meinem Schreibtisch:



Was hat das alles mit Anna-Elisa zu tun? Ganz einfach: sie möge ihren Weg im Leben gehen, das Leben und das Schreiben im besten Sinne des Wortes lernen und sich nicht verbiegen lassen. Sie möge sich ihre Unbekümmertheit weitestgehend erhalten, Freude empfinden, Leid kennen- und damit umgehen lernen, Liebe und Freude empfinden und weiter geben und die Schatztruhe deutscher Sprache erkunden...

2 Comments:

At 10.1.05, Blogger Biggi said...

Ich bin froh, dass du wieder bloggst...

 
At 10.1.05, Blogger MHR said...

Das ordnet die Gedanken, schärft den Blick für das nicht Alltägliche, ist für manche Überraschungen gut und bildet ungemein. Soll auch heißen: es tut gut.

 

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