23.12.04

Friedensweihnacht 2004

Von meiner Großmutter Martha habe ich sicherlich die "Lust zum Fabulieren" geerbt. Sie war eine sehr gütige, warmherzige Frau, die mir in der Weihnachtszeit einfühlsam und mit viel Fantasie die Geschichte von Peter Rossegger erzählte, der in seinen Kinderjahren "Christtagsfreude" holen ging. Daran erinnere ich mich oft und gern. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit...

Was mir aber von der Großmutter mit dem schlohweißen Haar noch prägend in Erinnerung geblieben ist: sie sprach auch weit nach Kriegsende stets von "Friedensweihnacht". Je mehr ich heute darüber nachdenke, denke ich, dass sie damit nicht nur den Frieden als Ablösung des Krieges meinte. Frieden war für sie zuallererst eine Sache des eigenen Friedens, der Ruhe in sich selbst und der Kraft, für andere zu leben, zu helfen oder einfach nur zuzuhören.



In diesem Sinne wünsche ich allen, die auf meine Internet-Seiten finden, eine besinnliche Friedensweihnacht 2004.

19.12.04

Schön wär's: Transparenz besiegt Amtsschimmel

Die Botschaft hör' ich wohl - allein, mir fehlt der Glaube: mit dem neuen Informationsfreiheitsgesetz soll "die Möglichkeit für einen Kulturwandel in der Verwaltung eröffnet, das obrigkeitsstaatliche Erbe des Amtsgeheimnisses überwunden und der Grundsatz der Transparenz zum Prinzip erhoben werden."

Das jedenfalls geht aus einer Pressemitteilung des Deutschen Journalisten-Verbandes hervor. Die Mauer, mit der sich die öffentliche Verwaltung zum Schutz vor der Neugier der Bürger umgibt, so der DJV messerscharf, beginne damit zu bröckeln. Journalisten seien lt. DJV nicht mehr nur auf Tipps und Indiskretionen aus Behörden angewiesen, sondern könnten mehr als bisher und ganz offiziell in Akten und Dokumenten recherchieren.

Hier setzt besonders aus der Kenntnis örtlicher Gegebenheiten und etablierten Amts-Filzes mein Bedenken an. Die Mitarbeiter in den Amtsstuben aller Ebenen werden auch weiterhin alle Register ziehen, um unliebsame Recherchen sozusagen rechtsstaatlich zu verhindern. Dem Journalisten wird aus meiner Sicht auch nach bundeseinheitlicher Regelung nicht wirklich garantiert, Einsicht in relevante Akten und Dokumente zu nehmen.

Dazu ist der vorgesehene gesetzliche Spielraum zu groß und der Einfallsreichtum der Beamten zu groß, das mit ideenreichen Argumenten zu umgehen. Ich weiß, wovon ich spreche... habe ich doch ähnliche Versuche bereits en masse unternommen. Aber es ist wie immer - auch und besonders in den Amtsstuben gilt der Grundsatz: sie kannten sich alle... Ob daran ein Informationsfreiheitsgesetz etwas ändern wird?

16.12.04

Etikettenschwindel statt Qualitätsmanagement

Erst dieser Tage flatterte mir eine virtuelle Meldung ins Büro, nach der Bundesagentur für Arbeit ihre Job-Börse um neue Funktionen erweitert und "...mit diesen Neuerungen viele Anregungen von Kunden aufgenommen und umgesetzt" und die Benutzerfreundlichkeit weiter verbessert. Stimmt teilweise, denn das Portal war technisch und strukturell schon einmal wesentlich schlechter und auch ich habe eine Menge Ungereimtheiten und Bugs, wie es neudeutsch für Fehler heißt, an die BA gemeldet. Das Gelbe vom Ei ist das Angebot trotzdem längst noch nicht.

Journalisten (und andere Auftrags- und Arbeitssuchende natürlich auch) können dort fast täglich diverse Jobangebote prüfen, die gar nicht so dünn gesät sind. Gut beraten sind dabei diejenigen, die mit einigermaßen kühlem Kopf an solche Bewerbungen herangehen, zumal man schon an den "Besuchen" der einzelnen Angebote ablesen kann, wie viele Mitbewerber es geben könnte. Ganz zu schweigen davon, dass viele Angebote steinalt und die Jobs garantiert längst vergeben sind.

Was aber viel mehr nervt, ist das Defizit im Qualitätsmanagement solcher Angebote. Denn die werden offensichtlich inhaltlich und in der strukturellen Zuordnung nicht geprüft. Auch technische Möglichkeiten, den Trickbetrügern in der Branche das Handwerk zu legen, fehlen. Dürfte auch schwer sein, dazu etwas Praktikables auszubaldowern.

Wer also beispielsweise nach den Stichworten Journalist oder Redakteur sucht, der findet in den Ergebnislisten massenweise Angebote für "Promotions-Mitarbeiter" (in Klammern: PR-Fachkräfte) oder Informations-Broker. Beim näheren Hinsehen entpuppen sich diese Angebote meist als Jobs für eine Art Drückerkolonnen zum Vertrieb von irgendwelchen Produkten. Oder man bietet unter dem Deckmantel Informations-Broker Mitarbeit in den bekannten Vertriebswegen der "unendlichen Möglichkeiten" von Kosmetik- und Ernährungsprodukten an.



Hier sollte bei der BA zumindest ein neuer Denkansatz greifen, um Möglichkeiten eines verbesserten Qualitätsmanagements der Einträge zu erörtern. Das würde nicht nur die Journalisten freuen, sondern vielleicht auch unseriösen Schnorrern in der Arbeitsvermittlungsbranche das Handwerk legen. Und die gibt es leider noch zuhauf.

12.12.04

Moderne Politik lebt von Kommunikation...

...doch im Arbeitsalltag scheitert der Dialog häufig schon daran, dass man die richtigen Ansprechpartner für seine Projekte nicht kennt...

Die vorgenannten Worte bilden die treffende Einleitung für ein Buch des politikverlag Berlin. Das heißt politiko und trägt die Unterzeile: Handbuch für politische Kommunikation 2005. Mit der 207 Seiten starken Broschüre wird z.B. Journalisten eine wertvolle Recherche-Hilfe buchstäblich in die Hand gelegt. Was man sonst im Internet oder anderen Quellen mehr oder weniger mühsam heraussuchen und zusammenstellen muss, liegt nun gut strukturiert vor.

In dem dünnen, aber deswegen nicht weniger gewichtvollem Buch tummelt sich alles, was man guten Gewissens zur Prominenz politischer Informationsquellen zählen darf. Es wird aber sichtbar, dass es den Machern aus den Berliner Oranienhöfen nicht um Prominenz an sich, mehr denn um Transparenz und Vollständigkeit ging. So lassen sich gute Kontakte knüpfen zu Landesvertretungen, demokratischen (!) politischen Parteien, Stiftungen, Verbänden... Die Liste lässt sich bis zur personellen Zusammensetzung der Ausschüsse des Deutschen Bundestages fortsetzen.

Aufgenommen sind neben den üblichen (zentralen) Tel.- und Fax-Nummern natürlich auch die Möglichkeiten der von mir sehr geschätzten Kommunikation der kurzen Wege via E-Mail inklusive der Internet-Präsentationen. Mehr noch, konkrete Ansprechpartner sind gar mit Foto, Geburtstag und Lebensstationen "kurz und bündig" beschrieben.

Kritikpunkte? Gibt es. So hätte ich mir statt der Lebensstationen lieber direkte Kontaktmöglichkeiten gewünscht. Und kleine, aber eigentlich unwesentliche Unebenheiten sind auch vorhanden. Da wird der eine Professor genannt, weil er allgemein als solcher bekannt ist. Beim anderen fehlt dieser Titel, weil man es vielleicht nicht oder nicht genau wusste. Aber: niemand ist vollkommen und es soll ja auch (hoffentlich) eine aktualisierte Auflage auf den Markt kommen. Schließlich ist die Zeit schnelllebig und wer weiß, ob der Professor morgen noch auf seinem Stuhl sitzt, oder Herr X aus der Partei Y wegen eines "versehentlichen " Fehltritts welcher Art auch immer das politische Handtuch geworfen hat.

10.12.04

Hartzhafte Überraschungen:Wörtlich genommener Sinn und Unsinn

Es ist mal wieder so weit: das Wort des Jahres ist gekürt. Hartz IV ist zu Ehren gekommen. Mir erschließt sich jedes Jahr wieder weder der Sinn noch der Unsinn der Auswahl solcher "verbalen Leitfossilien eines Jahres", wie es die Gesellschaft für deutsche Sprache bezeichnet. Wo ist ein Land, das sich nur zu gern auf Goethe beruft, und seine vermeintliche Sprachelite angekommen, wenn sich ernsthaft-argumentatorisch mit Begriffen wie "Ekelfernsehen" und "PISA-Schock" umgegangen wird.

Zu fragen ist natürlich auch, wie solche Worte überhaupt zu Stande kommen. Da haben die Medien nicht wenig Schuld daran. Man versucht sich in Wortschöpfungen und Wortspielen zu übertreffen, dass einem schwindelig dabei wird. Da ist die Suche nach dem Unwort des Jahres nicht weniger schlimm. Wenn Topterroristen trotzdem nahezu täglich in den Medien zu solchen fragwürdigen und peinlichen Ehren kommen, ist das genauso schlimm wie der reißische Umgang mit dem Wort "Star", das jedem zugebilligt wird, der einmal einen medienwirksamen Furz gelassen hat. Was haben Leute wie Lippi, Verona, Sabine Christiansen oder die Schumis mit "Star" zu tun. Und andere wie Müller-Stahl oder Wolfgang Stumph haben garantiert mit diesem Wort nichts am Hut. Und können sich nicht einmal dagegen wehren, weil die Meute es so will. Dagegen sind, um im Bild zu bleiben, die täglich verwandten mehr oder weniger unsinnigen Anglizismen doch reine Peanuts.

Ja, aewer wecker Weg was de rechte?

Unweit meines Wohn- und Arbeitsortes Glaisin steht an einer Straßenkreuzung der so genannte Reuterstein. Eben an dieser Kreuzung soll sich der niederdeutsche Schriftsteller Fritz Reuter nach seiner Entlassung aus der Festungshaft in Dömitz gefragt haben, welches wohl "der rechte Weg" sei. Es ist zu vermuten, dass er damit nicht nur den geografischen Weg gemeint hat.

An eben seinen bekannten Spruch musste ich gerade in diesen Tagen viel denken. Weihnachten steht vor der Tür. Man möchte Freude bereiten und Freude empfangen. Allerorts regen sich Gedanken, was man z.B. Kollegen und Geschäftspartnern gutes "antun" könnte. Die Werbemittelbranche hat Hochkonjunktur. Wie viel einfacher ist es aber, sich darauf zu besinnen, was Kollegialität ausmacht: Helfen, Zuhören, Tolerieren, einmal über seinen Schatten springen und seinen Mund halten, obwohl man gegensätzliche Meinungen hat. Wie viel wohler fühlt man sich dann? Und nicht nur an Weihnachten. Ich will es wissen und werde jetzt etwas dafür tun...