23.9.04

Ein Blick ins Buch kann nie schaden

Wer viel mit digitalen Fotos und deren professionellen Bearbeitung zu tun hat, dem sei ein Blick in ein neues Buch vom dpunkt.verlag wärmstens empfohlen. In 11 Kapiteln und einem ausführlichen Glossar handeln dort die Autoren Bettina und Uwe Steinmüller auf 299 Seiten sozusagen das "große Einmaleins" der digitalen Bildbearbeitung ab.
Ausführlich beschrieben und illustriert wird der digitale Arbeitsablauf vom effektiven Einsatz von Photoshop und dessen Ebenen über Bearbeitungsbeispiele bis hin zur Datensicherung und -verwaltung. Die einzelnen Arbeitsschritte sind in logisch strukturierte (Ab-) Sätze gefasst, die "Ansprache" an den Leser ist einfach und doch fachlich anspruchsvoll. Empfehlenswert beim Lesen ist trotzdem der Platz am PC, damit man ggf. auch gleich ausprobieren kann, was man Neues entdeckt hat.
Das Buch reiht sich nahtlos in das bekannt qualitativ hochstehende Verlagsangebot der Heidelberger ein. Es hat ein gefälliges, übersichtliches Layout und fühlt sich auch sonst gut an ;-) Angesichts der zu erwartenden digitalen Erg(l)ebnisse sollte sich zudem der Preis von 44 Euro in jeder Hinsicht rechnen.
Die Digitale Dunkelkammer, Bettina und Uwe Steinmüller, dpunkt.verlag Heidelberg 2004, ISBN 3-89864-301-8

Wissenschaftler haben festgestellt...

...dass Marmelade Fett enthält. Das ist ein alter Kalauer aus Kindheits- und Jugendtagen. Eben daran musste ich angesichts einer ots-Meldung denken, die mir in diesen Tagen ins virtuelle Haus flatterte. Da stand völlig überraschend: "Die PR von morgen sollte emotionaler und ehrlicher werden." Zu diesem tiefgründigen Ergebnis kam ein Forum, bestehend aus über 200 Journalisten, Pressesprechern und PR-Profis.
Nun ist an der Aussage an sich ja nichts falsch. Aber warum eigentlich erst morgen? PR hin - PR her. Ich meine: in allen Bereichen medialen Tuns muss Ehrlichkeit vor allem herrschen. Und auch eine gute Portion Individualität abseits allem Bemühen, Produkte und Dienstleistungen mit aller Macht an den Mann, sprich: Kunden, zu bringen. Dazu braucht man nicht, wie ein Wissenschaftler im Rahmen dieses Forums forderte, "regelmäßiger in die PR-Forschung zu investieren". Da reicht oft auch ein gesunder Menschenverstand und die Besinnung darauf, welche PR man selbst vertrauen würde.
Wenn allerdings der Anspruch einer "ehrlichen Partner-PR" als oberste Prämisse gestellt wird, erschließt sich mir nicht die Folgerung, dass Journalisten nicht auf PR angewiesen sind. Da stimmt schon viel mehr die Aussage, dass PR-Leute "mit journalistischer Optik durch ihr Unternehmen laufen und dann gezielt interessante Themen anbieten müssen". Ergo: ein guter PR-Mann muss also auch in journalistischer Hinsicht überzeugen.
Ich habe gelegentlich in solchen Bereichen zu tun, obwohl das Fachpresse-Arbeit genannt wird und nichts anderes als "intelligente PR" ist. Da kommt es öfters vor, dass die Leiterin der Pressestelle des Unternehmens einen Beitrag sehr anschaulich und individuell findet. Die zuständige PR-Agentur aber streicht munter drauf los und ändert eben gerade diese Merkmale.
Wo bleibt da Ehrlichkeit, Emotion und Individualität, wenn alles nur auf Corporate Identity reduziert wird, die der potenzielle Kunde kaum oder gar nicht versteht? Um den Bogen zum o.g. Forum zu schlagen: in diesem Sinne Applaus für die Aussage, das PR "zu den Regeln des ehrbaren Kaufmanns" zurück kehren und mehr "Zivilcourage" beweisen muss. Und das heute, und nicht erst morgen!

9.9.04

XXL: Deutschland steht Kopf...

Täglich flattern in die bundesdeutschen Haushalte Unmengen von Werbematerial aus allen Branchen. Jeder will verkaufen und bietet seine Waren und Dienstleistungen in den höchsten Tönen feil. Zu den Dauerbrennern in der Werbelandschaft zählt der rosa Riese T-Online. Die verkünden jetzt stolz: Deutschland steht Kopf, weil es T-DSL gibt und fragen unverblümt, was für ein T-DSL Typ der potenzielle Kunde denn sei.
Prima, möchte man meinen. Denn das ist wahrlich eine feine Sache, so ruck-zuck im Internet zu sein und pfeilschnell die virtuelle Welt zu erkunden. Da gibt es T-DSL Geschwindigkeiten für alle Ansprüche und wunderbare Tarife bis hin zur Flatrate zum Preis von schlappen 30 Euro im Monat. Ganz zu schweigen davon, dass man bei T-Online sparen kann, wenn man gleich einsteigt.
Also nix wie hin zu T-Online, bei der ich ohnehin bin, und rasch eine Flatrate angemeldet. Als Journalist bin ich schließlich mehr als alle anderen auf Internet angewiesen und kann so mein monatliches Budget für Bürokosten weiter einschränken. Gespart werden muss schließlich überall in diesem Land.
Aber Pustekuchen - denn ich lebe und arbeite in der bundesdeutschen Pampa. Da steht das virtuelle Deutschland wahrlich Kopf und an T-DSL ist auf (Licht-)Jahre hinaus nicht zu denken. Also muss ich weiter mit einer teuren Volumenrate arbeiten und bei 120 Online-Stunden mehr als das Doppelte abdrücken. Angesichts solcher staatlich genehmigter Abzocke von T-Online (und anderen) rede mal noch einer wie unser aller Bundeskanzler von "Internet für alle"...

7.9.04

Gesund: Ideenfindung beim Lauf in den Morgen

Frauen sind eitel. Männer sind es nie - wusste schon 1928 Peter Panter alias Kurt Tucholsky in der Vossischen Zeitung zu berichten. Ein Blick in den Spiegel und zwei auf die Waage aber hat mich vor einigen Wochen bewogen, überflüssigen Pfunden den Kampf anzusagen. Soll auch heißen, ich begann fortan, täglich etwas für meine Gesundheit und meine schlanke Linie zu tun. Ein Rundkurs von 5 km war schnell gefunden und das mitten in einer landschaftlich reizvollen Gegend rund um meinen Wohnort in der Griesen Gegend.
Das Ganze hat mittlerweile schon eine gewisse Faszination für mich, denn ich befinde mich auf dem täglichen Lauf in den Morgen in guter Bekanntschaft: ich begegne einem der wenigen Störche in der Umgebung, der majestätisch auf und ab stolziert. Über mir schweben lautlos Fischreiher, flattern Wildenten erschreckt aus dem Schilf empor und Libellen patroullieren wie Mini-Helikopter entlang dem Seitenarm des Ludwigsluster Kanals, an dem ich schnellen Schrittes walke. Manchmal schleicht sogar Reineke Fuchs durch die Wiesen und beobachtet mich, gar nicht ängstlich, mit fast schelmischem Blick. Den Kühen auf der Weide und den äsenden Rehen in der Ferne geht es ähnlich - hier fühlt sich jeder auf seine Weise wohl und sicher.
Nicht zu vergessen, das knapp einstündige morgendliche Fitness-Programm hat zudem den Gewinn, dass ich den Tag gedanklich einläuten kann. Ich ordne meine Arbeit, setze Prioritäten und formuliere sogar im Gehen. Hier, in der beredten Ruhe der Natur aus Vogelschrei, fernem Geknatter von Landmaschinen und dem Rauschen des Windes, finde ich die besten Wortschöpfungen und sprachlichen Bonmots. Hier gelingt mir eine fast spielerische Ordnung der Arbeit eines ganzen Tages. Das kann kein noch so reich gedeckter Schreibtisch ersetzen.
Wenn Harald Juhnke mal gesungen hat: "Er trainiert wie verrückt für sein Ideal-Gewicht, sein Gehirn, sein Gehirn, das trainiert er nicht..." - dann kann ich nur lachen. Ich tue beides und stehe trotzdem zu den Falten meines Lebens, aus denen ich vielleicht mal ein Buch mache. Ins heimische Büro zurückgekehrt, meine Fitness-Statistik ergänzend und allmähliche Tendenzen zum moderaten Schlankwerden erkennend, beschleicht mich dann sogar ein klein wenig Eitelkeit. Die aber lasse ich nur so nah wie nötig an mich heran...