Das moderne ora et labora...
ver.di hat es heraus gefunden: Menschen manchen Medien. Klar, wer sonst? Die mächtige Gewerkschaft veröffentlich nun im Internet eine Diskussion in Sachen Presserabatte und lässt Pro und Kontra aufeinander prallen. Die Pro-Fraktion vertritt der Betreiber einer so genannten Journalisten-Community, der ich auch angehöre. Nun kann man über das Thema an sich denken, wie man will - die Argumentation des Peter Diesler pro Presserabatte ist schon von einer merkwüdigen Logik geprägt. Da wird "Schnorrermentalität" zwar als peinlich, aber als nicht so schlimm hingestellt, denn es steht schließlich nicht im Pressekodex, dass journalistischer Geiz unethisch ist. Peinlich, meine ich, wenn man bedenkt, dass die Community von Journalisten für Journalisten gemacht sein soll und selbst dort vordergründige PR betrieben wird, ohne den durchaus vorhandenen reichen Wissensfundus für Journalisten und solche, die es werden wollen, in Abrede zu stellen.
Meine Meinung: Presserabatte sind nicht a priori unmoralisch. Aber: sie müssen aus meiner Sicht einen Bezug zur journalistischen Tätigkeit haben und dürfen trotzdem nicht mit dieser verknüpft sein. Ein Beispiel aus Tausenden möglichen gefällig: Ein Reisejournalist soll getrost einen Rabatt auf seinen Hotelaufenthalt erhalten, wenn er nicht "rein zufällig" über dieses Hotel recherchiert und schreibt. Wenn er dagegen mit seiner Familie ins Kino geht und dort mehr oder weniger dreist den Presseausweis zückt, ist das aus meiner Sicht abzulehnen. Und angesichts der langen Liste der möglichen (und unmöglichen) Presserabatte sind weitaus kuriosere Beispiele auswählbar.
Wenn das journalistische "ora et labora" aber darin besteht, zu beten, dass jedem Arbeitstag ein Presserabatt beschert sein möge, dann gute Nacht Deutsch(Medien-)land. Wie muss sich dann die arbeitslose Mutter dreier Kinder vorkommen, die wöchentlich einmal einen (unbezahlten) Leserbrief in Sachen Hartz IV schreibt und mit ihren Gören trotzdem ohne Presseausweis und -rabatt ins Kino gehen muss und neben sich die Journalisten-Familie frohlocken hört, wie geil Geiz ist.

