23.8.04

Das moderne ora et labora...

ver.di hat es heraus gefunden: Menschen manchen Medien. Klar, wer sonst? Die mächtige Gewerkschaft veröffentlich nun im Internet eine Diskussion in Sachen Presserabatte und lässt Pro und Kontra aufeinander prallen. Die Pro-Fraktion vertritt der Betreiber einer so genannten Journalisten-Community, der ich auch angehöre. Nun kann man über das Thema an sich denken, wie man will - die Argumentation des Peter Diesler pro Presserabatte ist schon von einer merkwüdigen Logik geprägt. Da wird "Schnorrermentalität" zwar als peinlich, aber als nicht so schlimm hingestellt, denn es steht schließlich nicht im Pressekodex, dass journalistischer Geiz unethisch ist. Peinlich, meine ich, wenn man bedenkt, dass die Community von Journalisten für Journalisten gemacht sein soll und selbst dort vordergründige PR betrieben wird, ohne den durchaus vorhandenen reichen Wissensfundus für Journalisten und solche, die es werden wollen, in Abrede zu stellen.
Meine Meinung: Presserabatte sind nicht a priori unmoralisch. Aber: sie müssen aus meiner Sicht einen Bezug zur journalistischen Tätigkeit haben und dürfen trotzdem nicht mit dieser verknüpft sein. Ein Beispiel aus Tausenden möglichen gefällig: Ein Reisejournalist soll getrost einen Rabatt auf seinen Hotelaufenthalt erhalten, wenn er nicht "rein zufällig" über dieses Hotel recherchiert und schreibt. Wenn er dagegen mit seiner Familie ins Kino geht und dort mehr oder weniger dreist den Presseausweis zückt, ist das aus meiner Sicht abzulehnen. Und angesichts der langen Liste der möglichen (und unmöglichen) Presserabatte sind weitaus kuriosere Beispiele auswählbar.
Wenn das journalistische "ora et labora" aber darin besteht, zu beten, dass jedem Arbeitstag ein Presserabatt beschert sein möge, dann gute Nacht Deutsch(Medien-)land. Wie muss sich dann die arbeitslose Mutter dreier Kinder vorkommen, die wöchentlich einmal einen (unbezahlten) Leserbrief in Sachen Hartz IV schreibt und mit ihren Gören trotzdem ohne Presseausweis und -rabatt ins Kino gehen muss und neben sich die Journalisten-Familie frohlocken hört, wie geil Geiz ist.

15.8.04

Virtuelle Umschau: ran an den Job...

Auch für Journalisten sind die Jobs und Aufträge nicht dicht gesät. Also heißt es besonders für die Freiberufler unter ihnen, täglich umfangreiche (virtuelle) Recherche nach Aufträgen bzw. Möglichkeiten für freie Mitarbeit zu betreiben. Keiner weiß das besser als ich...
Außerdem stimmt, dass die bloße Kenntnis von freien Stellen oder Jobs nicht genügt: es kommt auch und im Besonderen auf die Bewerbung/Kontaktaufnahme an. Ein Online-Workshop soll den Bewerbern diesbezüglich "auf die Sprünge helfen" und Fehler in der Kontaktaufnahme zu potenziellen Auftraggebern vermeiden. Das sollen spezielle "Tipps für Medienmacher" sein, ausgearbeitet von einer langjährigen Bibliothekarin, die sich inzwischen auf Bewerbungsberatung spezialisiert hat.
Ich habe mich mal angemeldet und lasse mich überraschen, welche Strategien hier ausgegeben werden. Immerhin kostet das Teil nix und es soll auch von einer erfahrenen Fachredakteurin bearbeitet worden sein. Die erste Lektion ist übrigens schon da. Bis jetzt nichts Neues und vor allem nur Vorgeplänkel: der Start ist also eher verhalten...

10.8.04

Geistvoll: Jetzt ist es raus...

Wissenschaftlicher haben festgestellt, dass "Marmelade Fett enthält". Das ist ein gängiger, humoriger Spruch aus meinen Kindheitstagen. Nun aber kommt der Hammer: Wissenschaftler haben festgestellt, dass "geistig anspruchsvolle Jobs vor Alzheimer schützen". Eine veröffentlichte Studie brachte es an den Tag: an Alzheimer erkrankte Teilnehmer einer Testreihe hatten ein geistig "weniger anspruchsvolles Arbeitsleben" hinter sich.
Nun weiß ich nicht, ob ich mich freuen oder Angst haben soll. Schließlich habe ich mich immer strebend bemüht, meinen Geist einzusetzen und die Vielfalt der Gehirnwindungen zu nutzen. Wer aber, so frage ich mich, definiert, was "geistig anspruchsvoll" und vor allem, wann ein Job das ist? Hat das nur etwas mit Nachdenken zu tun?
Mein einfaches Fazit: ich bleibe mir treu und will auch künftig neugierig, vielseitig und nie so ganz zufrieden sein. Was mir aber Kopfschmerzen bereitet, ist die Frage nach den geistigen Ansprüchen ehemaliger und jetziger Promis, die von Alzheimer ereilt worden sind...

9.8.04

Bürogeflüster mit sich selbst...

Als journalistischer Einzelkämpfer hat man(n) es nicht leicht. Da kann es schon einmal zu Selbstgesprächen nach dem Motto kommen: "Ich könnte ja mal meine Wiedervorlage-Termine im E-Mail Archiv kontrollieren und mich dem einen oder anderen Kunden in Erinnerung bringen."
Hinsichtlich der Strategie von Kunden-Kontakten gibt es offensichtlich eine Menge Varianten. Wie ich dem JobBlog meiner Kollegin Birgit Mestmäcker entnahm, setzen z.B. diverse "Büromäuse" auf telefonische Kontakte und geben dazu ganz brauchbare Anregungen.
Wem nun aber wie mir die Telefon-Akquise nicht in die Wiege gelegt ist, der entwickelt eben andere Methoden. Ich setze dabei (wieder einmal) ganz auf das Medium E-Mail. Die sind fix an die Frau bzw. den Mann zu bringen. Eine freundliche Erinnerungs-Mail aktiviert in nicht wenigen Fällen den Kontakt und es springt dabei so mancher Auftrag heraus. Ganz zu schweigen von der menschlichen Seite dieser Art der Kommunikation, die ganz einfach darin besteht, dass ich erst ein wenig mit mir selbst rede und das Gespräch dann sozusagen virtuell via E-Mail fortsetze...

7.8.04

Zurück zu den alten Regeln...?

In einer heutigen Tageszeitung fand ich ein humorige Karikatur. Die zeigt ein Schiff, das samt Kapitän und Steuermann vor einer riesigen, in den Abgrund führenden, Stromschnelle schwimmt. Kommentar: "Ende der Flussschifffahrt"
Soll wohl auch heißen: die umstrittene Rechtschreibreform könnte nun doch noch zu Fall kommen, bevor sie Anfang August nächsten Jahres für Schulen und Hochschulen verbindlich sein soll, unsere Kinder und Enkel also staatlich sanktioniert zu manch merkwürdiger Recht-Schreibung "verdonnert" werden.
Zugegeben: ich war auch ein Gegner dieser Reform, die für mich nichts Voranbringendes war. Und es fällt selbst meinen Fingern schwer, die drei "s" und "f" in Flussschifffahrt in den PC zu delegieren. Aber: ich lebe nun schon einige Jahre mit diesen neuen Regelungen, weil man(n) ja bekanntlich nie auslernt.
Wenn nun aber, um im eingangs genannten Bild zu bleiben, wieder zurück gerudert wird, werden neue Irrungen entstehen. Ein Missingsch aus alter und neuer Regelung wird zumindest bei denen erzeugt, die die neuen Regeln (mehr oder weniger) anwenden. Ob das das Ei des Kolumbus ist, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht besteht ein Ausweg darin, die größten Stilblüten der neuen Regelung zu überdenken und auf den Rat der Praktiker zu hören, was man in Sachen Rechtschreibung noch besser machen könnte.
Dumm sind aus meiner Sicht auf jeden Fall Äußerungen von schwätzenden Politikern, die eine "Reform der Reform" nur aus wirtschaftlichen Gründen ablehnen. Da gebe es genug andere Reformen, die eben wegen dieser wirtschaftlichen Gründe abzulehnen wären.

4.8.04

Sichern, was man geschrieben hat...

Es wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit, Kontakte zu potenziellen Auftraggebern per E-Mail herzustellen. Das gilt auch für Angebote und Bewerbungen für freie Mitarbeit. Leider aber ist festzustellen, dass Firmen aller Couleur das Internet immer noch als eine Art "Geheim-Raum" zu betrachten, in dem sie möglichst wenig zu konkreten Kontaktdaten (persönliche E-Mail-Adressen, Fax-Nrn. usw.) preisgeben wollen. Oft laden nur sehr unpersönliche Formulare zum virtuellen Kontakt ein.
Der Nachteil solcher technischer Lösungen liegt auf der Hand: man schreibt mehr oder weniger anonym und die Nachricht ist nicht im eigenen E-Mail-Archiv gespeichert. Eine gute Lösung letzteren Defizits habe ich bei dem renommierten Online-Magazin DrWeb gefunden, für das ich auch schon öfters journalistisch tätig war. Betreiber Sven Lennartz bietet auf seiner Kontaktseite einen einfachen Klick an, der bewirkt, dass der Absender einer E-Mail dieselbe an sein Postfach erhält. Gute Idee und Ansporn zum Nachahmen!

2.8.04

Die müssen's ja wissen...

Seit fast zwei Jahren bin ich begeisterter Leser des Duden-Newsletters. Den gibt's zweimal im Monat und jedes Mal staune ich über spachliche Dinge, die ich dadurch noch hinzu lerne. Die Sprachexperten von Duden erläutern u.a. die Herkunft von Wörtern und Begriffen und geben damit sogar Anregungen für journalistische Beiträge.
Aber Vorsicht: der Newsletter kann schnell abhanden kommen, wenn man die Spam-Filter mancher Provider benutzt. Da geraten im Zweifelsfall sogar seriöse Newsletter wie von Duden ins Aus. Der Ausweg besteht in mindestens zwei Varianten. Man kann entweder jeden virtuellen Müll zulassen und mühevoll aussuchen, oder man bemüht den Provider und lässt bestimmte Einträge in eine so genannte Whitelist eintragen. Dann bleibt der Newsletter bestimmt nicht aus.