10.12.04

Hartzhafte Überraschungen:Wörtlich genommener Sinn und Unsinn

Es ist mal wieder so weit: das Wort des Jahres ist gekürt. Hartz IV ist zu Ehren gekommen. Mir erschließt sich jedes Jahr wieder weder der Sinn noch der Unsinn der Auswahl solcher "verbalen Leitfossilien eines Jahres", wie es die Gesellschaft für deutsche Sprache bezeichnet. Wo ist ein Land, das sich nur zu gern auf Goethe beruft, und seine vermeintliche Sprachelite angekommen, wenn sich ernsthaft-argumentatorisch mit Begriffen wie "Ekelfernsehen" und "PISA-Schock" umgegangen wird.

Zu fragen ist natürlich auch, wie solche Worte überhaupt zu Stande kommen. Da haben die Medien nicht wenig Schuld daran. Man versucht sich in Wortschöpfungen und Wortspielen zu übertreffen, dass einem schwindelig dabei wird. Da ist die Suche nach dem Unwort des Jahres nicht weniger schlimm. Wenn Topterroristen trotzdem nahezu täglich in den Medien zu solchen fragwürdigen und peinlichen Ehren kommen, ist das genauso schlimm wie der reißische Umgang mit dem Wort "Star", das jedem zugebilligt wird, der einmal einen medienwirksamen Furz gelassen hat. Was haben Leute wie Lippi, Verona, Sabine Christiansen oder die Schumis mit "Star" zu tun. Und andere wie Müller-Stahl oder Wolfgang Stumph haben garantiert mit diesem Wort nichts am Hut. Und können sich nicht einmal dagegen wehren, weil die Meute es so will. Dagegen sind, um im Bild zu bleiben, die täglich verwandten mehr oder weniger unsinnigen Anglizismen doch reine Peanuts.