Etikettenschwindel statt Qualitätsmanagement
Erst dieser Tage flatterte mir eine virtuelle Meldung ins Büro, nach der Bundesagentur für Arbeit ihre Job-Börse um neue Funktionen erweitert und "...mit diesen Neuerungen viele Anregungen von Kunden aufgenommen und umgesetzt" und die Benutzerfreundlichkeit weiter verbessert. Stimmt teilweise, denn das Portal war technisch und strukturell schon einmal wesentlich schlechter und auch ich habe eine Menge Ungereimtheiten und Bugs, wie es neudeutsch für Fehler heißt, an die BA gemeldet. Das Gelbe vom Ei ist das Angebot trotzdem längst noch nicht.
Journalisten (und andere Auftrags- und Arbeitssuchende natürlich auch) können dort fast täglich diverse Jobangebote prüfen, die gar nicht so dünn gesät sind. Gut beraten sind dabei diejenigen, die mit einigermaßen kühlem Kopf an solche Bewerbungen herangehen, zumal man schon an den "Besuchen" der einzelnen Angebote ablesen kann, wie viele Mitbewerber es geben könnte. Ganz zu schweigen davon, dass viele Angebote steinalt und die Jobs garantiert längst vergeben sind.
Was aber viel mehr nervt, ist das Defizit im Qualitätsmanagement solcher Angebote. Denn die werden offensichtlich inhaltlich und in der strukturellen Zuordnung nicht geprüft. Auch technische Möglichkeiten, den Trickbetrügern in der Branche das Handwerk zu legen, fehlen. Dürfte auch schwer sein, dazu etwas Praktikables auszubaldowern.
Wer also beispielsweise nach den Stichworten Journalist oder Redakteur sucht, der findet in den Ergebnislisten massenweise Angebote für "Promotions-Mitarbeiter" (in Klammern: PR-Fachkräfte) oder Informations-Broker. Beim näheren Hinsehen entpuppen sich diese Angebote meist als Jobs für eine Art Drückerkolonnen zum Vertrieb von irgendwelchen Produkten. Oder man bietet unter dem Deckmantel Informations-Broker Mitarbeit in den bekannten Vertriebswegen der "unendlichen Möglichkeiten" von Kosmetik- und Ernährungsprodukten an.
Hier sollte bei der BA zumindest ein neuer Denkansatz greifen, um Möglichkeiten eines verbesserten Qualitätsmanagements der Einträge zu erörtern. Das würde nicht nur die Journalisten freuen, sondern vielleicht auch unseriösen Schnorrern in der Arbeitsvermittlungsbranche das Handwerk legen. Und die gibt es leider noch zuhauf.


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