Gesund: Ideenfindung beim Lauf in den Morgen
Frauen sind eitel. Männer sind es nie - wusste schon 1928 Peter Panter alias Kurt Tucholsky in der Vossischen Zeitung zu berichten. Ein Blick in den Spiegel und zwei auf die Waage aber hat mich vor einigen Wochen bewogen, überflüssigen Pfunden den Kampf anzusagen. Soll auch heißen, ich begann fortan, täglich etwas für meine Gesundheit und meine schlanke Linie zu tun. Ein Rundkurs von 5 km war schnell gefunden und das mitten in einer landschaftlich reizvollen Gegend rund um meinen Wohnort in der Griesen Gegend.
Das Ganze hat mittlerweile schon eine gewisse Faszination für mich, denn ich befinde mich auf dem täglichen Lauf in den Morgen in guter Bekanntschaft: ich begegne einem der wenigen Störche in der Umgebung, der majestätisch auf und ab stolziert. Über mir schweben lautlos Fischreiher, flattern Wildenten erschreckt aus dem Schilf empor und Libellen patroullieren wie Mini-Helikopter entlang dem Seitenarm des Ludwigsluster Kanals, an dem ich schnellen Schrittes walke. Manchmal schleicht sogar Reineke Fuchs durch die Wiesen und beobachtet mich, gar nicht ängstlich, mit fast schelmischem Blick. Den Kühen auf der Weide und den äsenden Rehen in der Ferne geht es ähnlich - hier fühlt sich jeder auf seine Weise wohl und sicher.
Nicht zu vergessen, das knapp einstündige morgendliche Fitness-Programm hat zudem den Gewinn, dass ich den Tag gedanklich einläuten kann. Ich ordne meine Arbeit, setze Prioritäten und formuliere sogar im Gehen. Hier, in der beredten Ruhe der Natur aus Vogelschrei, fernem Geknatter von Landmaschinen und dem Rauschen des Windes, finde ich die besten Wortschöpfungen und sprachlichen Bonmots. Hier gelingt mir eine fast spielerische Ordnung der Arbeit eines ganzen Tages. Das kann kein noch so reich gedeckter Schreibtisch ersetzen.
Wenn Harald Juhnke mal gesungen hat: "Er trainiert wie verrückt für sein Ideal-Gewicht, sein Gehirn, sein Gehirn, das trainiert er nicht..." - dann kann ich nur lachen. Ich tue beides und stehe trotzdem zu den Falten meines Lebens, aus denen ich vielleicht mal ein Buch mache. Ins heimische Büro zurückgekehrt, meine Fitness-Statistik ergänzend und allmähliche Tendenzen zum moderaten Schlankwerden erkennend, beschleicht mich dann sogar ein klein wenig Eitelkeit. Die aber lasse ich nur so nah wie nötig an mich heran...


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